Reisetagebuch von Christian Kaiser

Kategorie: Reisen (Seite 8 von 10)

Carretera Austral (Segunda parte)

In einem Wort zusammengefasst, ist die Carretera Austral eine Schotterpiste. Zweifellos eine Schotterpiste durch eine atemberaubend schöne Gegend, aber dazu später. Erst einmal zur Strasse selber: Fahren auf Schotter ist einfach «huere geil». Weil archaisch, weil man mit dem (Miet-)Auto mal «chli ume-rueche» kann, weil ab ca. 50km/h in den Kurven das Heck so toll ausbricht und weil das Auto ein wenig schwimmt, wie wenn man auf Schnee fährt. Ups, habe ich mich gerade als Autofan verraten? Nein, so schlimm ist es nicht. Zudem habe ich ja ein Geschwindigkeitswarnsystem auf dem Beifahrersitz… 😁

Dabei sass Carmen gar nicht immer auf dem Beifahrersitz: Auf einigen Teilstücken hatte sie das Steuer übernommen und fuhr souverän, trotz jahrelanger Fahrpause. Und die Carretera ist auch längst keine reine Schotterstrasse mehr, in den letzten Jahren wurden einige Teilstücke asphaltiert. Zum Glück, denn das Fahren auf dieser Piste ist auch laut und unbequem. Nach einer Weile ist man völlig durchgeschüttelt, taub auf den Ohren, müde und staubig. Das Fahren braucht viel mehr Konzentration, man kommt langsamer vorwärts und es ist wohl auch ein bisschen gefährlicher (wie eines meiner Überholmanöver zeigte, aber dazu keine Details). Distanzmässig ist der grössere Teil asphaltiert, doch zeitlich gesehen fährt man gut zur Hälfte auf Schotter.

Die vergangenen 3 Tage fuhren wir jeweils zwischen 215 und 240km auf der Carretera südwärts: Caleta Gonzalo – Puyuhuapi – Coyhaique – Puerto Rio Tranquilo, jeweils 5 bis 6 Stunden Fahrt. Nicht zu unrecht wird die Strasse als schönste Route Südamerikas bezeichnet.

Am Donnerstag fuhren wir bei bestem Wetter durch dichten Urwald, durch abgebrannte Wälder (Vulkanausbruch El Chaitén im 2008), durch langgezogene, grüne Täler mit reissenden Flüssen, um schliesslich auf einer kleinen Ebene am Ende eines Sees anzukommen.

Am Freitag regnete es in Strömen, wir fuhren zuerst einem See, dann einem Meeresarm entlang. Danach wurden die Berge höher und rauher, die Strasse wand sich zu Serpentinen, links und rechts stürzten Wasserfälle hernieder. Wenig später, an einem zweiten Pass, wähnten wir uns in der Schöllenenschlucht, danach eher wieder in Schottland. Am Nachmittag wurde das Wetter wieder besser und die Landschaft lieblicher. Die Strasse war an einzelnen Stellen gepflastert, wohl weil hier der Boden ständig in Bewegung ist. Schliesslich erreichten wir Coyhaique, die grösste Stadt im chilenischen Teil von Patagonien. Coyhaique liegt auf einer Anhöhe über dem Fluss und umgeben von Bergen. Einer sieht aus wie der Calanda, ein anderer gleicht dem Tafelberg von Kapstadt.

Am Samstag folgte dann die spektakulärste Kulisse: Die Baumgrenze sank, die Berge schienen fahl in blassgelbem Kleid. Dann tauchten dahinter die ersten schneebedeckten Gipfel auf, schliesslich erste Gletscher. Die Strasse war wiederum kurvig, dann öffnete sich auf einmal die Landschaft zu breiten Schwemmtälern, die von mächtigen, mäandrierenden Flüssen durchzogen wurden. Schliesslich erreichten wir den Lago General Carrera, den grössten See von Chile, der sich da türkisblau zwischen den Bergen ausbreitet.

Auf der ganzen Strecke hatten wir in diesen drei Tagen vielleicht acht Dörfer passiert, mehr nicht. Die Gegend ist äusserst spärlich besiedelt. Dafür hatten wir jede Menge Velofahrer überholt: Sowohl bei praller Sonne als auch bei strömendem Regen quälten sich diese mit ihren schwerbepackten Bikes über Kies und Asphalt, ständig im Staub der vorbeifahrenden Autos. Chapeau, was für eine Leistung!

Imposant waren für mich auch die vielen Bauarbeiten: 1973 von Pinochet aus militärisch-strategischen Gründen initiiert, ist die Carretera Austral nun das Rückgrat für den patagonischen Landverkehr und wird kontinuierlich vom schmalen Kiesweg zur breiten, asphaltierten Landstrasse ausgebaut. Wir passierten unzählige Baustellen, mit Einspurbetrieb und viertelstündigen Wartezeiten, mit provisorischen Strecken durch Matsch und Geröll, wir sahen Baufahrzeuge bei abenteuerlichen Arbeitseinsätzen und Strassenbauer/innen im orangen Oelzeug bei Kälte, Wind und strömendem Regen. «Chile para todos», Chile für alle, stand jeweils auf den Baustellenplakaten, und so geniessen auch wir dieses Land, überwältigt von den Menschen, die wir in dieser rauhen Gegend treffen und von der Natur, durch die uns diese Strasse hindurchführt.

Baustelle bei Regen (Foto: Carmen)

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Carretera Austral

Am Montagmorgen nahmen wir unseren Mietwagen entgegen und brachen nach Süden auf. Am ersten Tag legten wir „nur“ 110km zurück, unterbrochen von einer halbstündigen Fährenüberfahrt.

Kurz nach der Fähre hielten wir irgendwo an der Küstenstrasse an und gingen fürs Mittagessen ans Meer runter. Nachdem wir dort 10 Minuten auf einem grossen Stein gesessen waren und in menschenleerer Umgebung unseren Lunch verdrückten, hörten wir plötzlich Plansch-Geräusche vom Meer her. Und siehe da, wir kriegten Besuch: Eine Gruppe von vier Delfinen schwamm rund 30m von der Küste entfernt seelenruhig an uns vorbei, und die Tiere tauchten dabei alle paar Meter mit ihrer typischen Rolle aus dem Wasser auf. Was für eine schöne und unerwartete Begrüssung!

Hornopirén

Am Nachmittag kamen wir dann in Hornopirén an. Ein guter Teil der Strasse war Schotterpiste, so konnten wir schon mal ausprobieren, wie gut sich unser Suzuki auf diesem Untergrund fahren lässt. Wir bezogen unser Zimmer in einer einfachen Cabaña und gingen fürs Nachtessen ins Restaurant. Im Gegensatz zu Argentinien stehen hier auch Fisch und Meeresfrüchte hoch im Kurs. Kein Wunder, liegen doch die Fischgründe und -farmen gleich vor der Haustüre. Also bestellten wir Salmón bzw. Mariscos und wurden nicht enttäuscht: Selten hab ich so frische, so verschiedene und so viele Muscheln gegessen, und Carmens Lachstranche von der Grösse eines argentinischen Steaks war auch nicht zu verachten. ¡Muy rico!

Nochmals Fähre

Da in Hornopirén die Strasse nach Süden endet, kommt man nur mit dem Schiff weiter. Wir fuhren also frühmorgens auf die Fähre und genossen die 4-stündige Überfahrt, auch wenn das Wetter neblig-regnerisch war. Die Landschaft rundherum wurde immer steiler, bald fuhr das Schiff in einen langgezogenen Fjord und stoppte an einem einsamen Steg. Nun fuhren alle Autos im Konvoi 10km über eine unbewohnte Halbinsel, nur um auf der anderen Seite nochmals auf eine Fähre zu verladen. Nach dieser weiteren Fahrt erreichten wir Caleta Gonzalo. Ab hier führt die Strasse weiter, doch wir bezogen für die nächsten zwei Nächte eine der 7 Cabañas, die gleich neben der Fährstation liegen.

Caleta Gonzalo

Caleta Gonzalo hat weder Internet noch Mobilnetz-Empfang, es besteht einzig aus einem Café, 7 Cabañas, einem Naturpark-Infocenter und der Fähren-Anlegestelle. Völlig abgeschieden, könnte man meinen, doch nein: Alle paar Stunden kommt «Don Beto», die Fähre, und man muss sich dieses Schauspiel wieder und wieder ansehen: Zuerst kommen auf der Strasse von Süden immer mehr Fahrzeuge an, stellen sich in eine lange Kolonne und warten. Dann kommt die Fähre und giesst einen Schwall von Motorrädern, Pick-ups, Velos und Bussen auf den kleinen Platz. Backpacker suchen eine Mitfahrgelegenheit und unschlüssige Fahrer werden vom Hintermann angehupt. Kaum ist die Fähre leer, fahren schon die Autos aus der Warteschlange über die Landungsbrücke. Dann legt «Don Beto» ab und es kehrt wieder Ruhe ein. Oder kommt dort schon das nächste Auto daher? Für uns war es ein wenig wie fernsehschauen. Als es eindunkelte, wurde das Treiben weniger und im Café waren jetzt nur noch die Gäste aus den Cabañas fürs Nachtessen versammelt.

Parque Pumalin

Am Mittwoch erkundigten wir den Parque Pumalin. Dies ist der grösste private Naturpark Chiles und Caleta Gonzalo liegt mittendrin. Das Gebiet ist ein sehr steiles Tal und die Carretera Astral führt am Talboden hindurch. Der Park kann nur auf den ausgeschilderten Routen begangen werden, denn gleich neben der Strasse beginnt dichte Vegetation. Der „Sendero de Alerces“ führte uns durch diesen Urwald und an 1’000 jährigen Lärchen vorbei. Und ausgerechnet auf der Hängebrücke musste mir meine Sonnenbrille runterfallen, sie wird den Bergbach nun noch ein wenig länger geniessen… Danach machten wir uns noch auf den Tronador Trail, der vom Lonely Planet-Reiseführer zu recht als Treppenhaus bezeichnet wird. Jedenfalls legten wir in subtropischer Feuchtigkeit gut und gerne 400 Höhenmeter zurück, bis wir dann nach einer Stunde beim „Mirador Michinmahuida“ unseren Lunch geniessen konnten. Beim Abstieg freuten wir uns schon auf Dusche und Kaffee, und den Rest des Nachmittags verbrachten wir wieder mit fernsehgucken: Anlegen, ausladen, einladen, abfahren.

A través de los Andes a Chile

Der Drogenhund hat zum Glück nichts gefunden. Ich meine natürlich: Bei keinem der 30 Buspassagiere. Denn schliesslich dauert ein Grenzübertritt im Reisebus immer so lange, wie bei jenem Passagier, der die grössten Probleme verursacht. Und da sich Chilenen und Argentinier wohl gegenseitig nicht so sehr mögen, schikanieren sie sich am Grenzübergang mit Papierkram, Lebensmittel-Importverbot, Gepäckkontrollen und eben: mit Drogenschnüffelhunden.

Was bisher geschah: Nach 6 Wochen Spanisch-Intensivkurs in Buenos Aires haben wir nun die zweite Etappe unserer Reise-Auszeit begonnen, eine Reise durch Patagonien. Dieses Wort löst bei mir Reise-Sehnsucht aus, seit ich als kleiner Pfadi einen Schlafsack der gleichnamigen Marke mein Eigen nannte.

Jedenfalls sind wir also nach Bariloche geflogen, haben dort den Bus nach Puerto Varas (Chile) bestiegen und schadlos die Grenze überquert. Auf dem verbleibenden Teil der 6-stündigen Fahrt werden wir bestens unterhalten, denn unser Chauffeur hat einen Achziger-Jahre-Musikvideo-Megamix aufs Bordunterhaltungssystem geschaltet. Klar, dass wir beide versuchen, Interpret und Titel des jeweiligen Songs möglichst als Erster aus der Erinnerung zu holen. Dieses Spiel ist aber nicht so einfach, da die leise Musik im Fahrzeuglärm fast untergeht und die Bilder fast stumm von Madonna zu Sting zu Bon Jovi zu Laura Branigan wechseln. Wir lachen uns krumm ab all den Dauerwellen, Grufti-Kleidern, Achselpolster-Jackets und Jeans-Overalls, und wollen nicht zu sehr daran denken, dass wir damals selber auch so rumgelaufen sind. Vor lauter 80ies verpassen wir fast noch den Blick auf den Chilenischen „Fuji-san“, den schneebedeckten Kegel vom Volcán Osorno, der sich heute majestätisch vor wolkenlosem Himmel präsentiert.

Última semana en Buenos Aires

¡Qué macana! Nun sind diese 6 Wochen in Buenos Aires schon vorüber und ich schreibe diese Zeilen im Flugzeug nach Bariloche. Die letzte Woche verging auch wie im Fluge, wir wollten die Stadt nochmals so richtig in uns aufsaugen. Hier der Rückblick, als letzter Bericht aus Buenos Aires.

Sábado: Perú Beach

Am Samstag fuhren wir nach San Isidro an die «Perú Beach», weil wir gehört hatten, dass es hier sehr schön sei und zudem eine Kletterwand habe. Die Reise in diese Vorstadt dauerte dann ein wenig länger als geplant, weil nämlich der Zug an der «Barrancas»-Station wegen Bauarbeiten einfach durchfuhr und wir nicht wie vorgesehen aussteigen konnten. So wurde der Spaziergang etwas länger und der Hunger etwas grösser, bis wir dann an der Perú Beach ankamen. Die Anlage versammelt verschiedene Sporteinrichtungen und ist so eine Art Zürihorn von BsAs. Und am Samstagnachmittag tummeln sich hier gefühlte 3 Porteños pro Quadratmeter. Nach einer kurzen Inspektion von Kletterwand und Mietmaterial entschieden wir uns, das Klettern auf ein andermal zu verschieben. Stattdessen setzten wir uns mit einem dicken Fleischbörger und einer Cerveza auf die Terrasse und schauten den Kite-Surfern zu.

Domingo: Desayunar

Am Sonntag stand dann Frühstücken auf dem Programm: Nachdem wir bis jetzt immer zuhause Müesli gefuttert hatten, war die Lust auf ein ausgiebiges argentinisches Frühstück gross. Im Café «Pertutti» an der Santa Fe wurde uns ebendieses aufgetischt: Kaffee, Orangensaft, Medialunas, Fruchtsalat, Toasts und ein Stück Torte nach Wahl. Hab ich schon mal erwähnt, dass es die Argentinier gerne süss haben?

Lunes: Centro Comercial Abasto

Am Montagabend gingen wir nur rasch ins Shopping Center. Nicht etwa, weil wir noch etwas brauchten, sondern weil wir das einfach selber sehen mussten: Das «Abasto» ist eines der grössten Shopping Centers in BsAs und liegt in der Halle des früheren Engrosmarkts. Es beherbergt nebst mehreren Einkaufsebenen und dem obligaten «Food Court» auch noch einen Vergnügungspark. So steht also tatsächlich im vierten Stock ein Riesenrad (!), ein Piratenschiff, eine Achterbahn, ein Karussel, Autoscooter und vieles mehr…

Martes: Bellas Artes & Pizza

Nach diesem Kulturschock mussten wir am Dienstag gleich ins «Museo Nacional de Bellas Artes», wie die hiesige Kunstsammlung genannt wird. Hier ist ganz einfach alles ausgestellt, was es in der Zeit zwischen Rembrandt und Andy Warhol mal zu Rang und Namen gebracht hat. Nach einmaligem Durchschreiten aller Räumen stand uns dann der Sinn nach Pizza, und zwar nach «richtiger» Pizza. Und weil das Internet voll ist von Artikeln wie «The 10 best Pizza places in BA», brachten wir sofort in Erfahrung, wohin wir zu fahren hatten: Also los nach Palermo Hollywood zum «Siamo nel Forno». Der italienische Name war Programm und die Pizza war toll. Die begleitende Flasche Malbec war durch und durch argentinisch, was aber auf den weiteren Verlauf des Abends keinen negativen Einfluss hatte. 😎

Miércoles: Peluquero & Milonga

Am Mittwoch wurde ich meinem Bruder untreu und ging zum Coiffeur. Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen. Abends besuchten wir eine Milonga. Auch wenn genausowenig alle Porteños Tango tanzen wie alle Schweizer jodeln, so ist BsAs dennoch die Hauptstadt des Tango und jeder Besuch der Stadt wäre unvollständig ohne eine Milonga. Unsere Milonga begann mit einem stündigen Tango-Kurs, damit man wenigstens die Tanzrichtung und den Schritt wieder einigermassen im Griff hatte. Anschliessend trat die Hausband für ein (grässliches) Live-Konzert auf, dann folgte die Milonga (Tanz). Abschliessend zeigte uns dann noch ein Profi-Paar, wie Tango aussieht, wenn man’s richtig beherrscht.

El Resto

Am Donnerstag und Freitag machten wir fürs Nachtessen nochmals Palermo unsicher, denn inzwischen hatten wir unsere Vorräte aufgebraucht und der Kühlschrank war leer. Und schliesslich: Koffer packen, Wohnung abgeben, Taxi zum Flughafen, einchecken. Fortsetzung folgt.

El Teatro Colón

Nach knapp 6 Wochen Spanisch-Intensivkurs macht die Sprache immer noch bzw. immer mehr Freude. Inzwischen habe ich sogar ein Buch auf Spanisch gekauft, mit dem festen Ziel, dieses in den nächsten Wochen zu lesen (vielleicht hätte ich doch die E-Book-Version kaufen sollen, da wäre das Wörterbuch schon eingebaut). Nach wie vor schwierig ist es aber, die Leute auf der Strasse zu verstehen, zumal die Porteños eher schnell sprechen und die «s» verschlucken.

Um unser Sprachverständnis weiter zu trainieren, buchten wir also die Führung durchs Teatro Colón auf Spanisch. Zum Glück kriegten wir eine «Guía», die langsam und deutlich sprach, so dass wir fast alles verstanden haben.

Das Teatro Colón stammt aus dem Jahre 1908 und gehört zu den grössten und besten Opernhäusern der Welt. Der Hauptsaal fasst 3’000 Personen und ist wirklich imposant. Der Saal kann für Opern, Theater und Konzerte gleichermassen verwendet werden und dank der super Akkustik hört man auf dem Balkon im 6. Stock exakt gleich viel wie in der 2. Reihe vom Parkett. Exquisit sind auch die Pausenräume, schliesslich wurden damals in diesen Räume Kontakte gepflegt, über Eheschliessungen verhandelt und Geschäfte abgeschlossen.

Anfangs des 20. Jahrhunderts schwamm Buenos Aires wirklich im Luxus und das Theaterhaus zeigt dies deutlich: Überhohe Säle, nur mit den besten Materialien ausgestattet, sämtlicher Marmor wurde per Schiff aus Italien importiert. Über die Erstellungskosten ist mir nichts bekannt, aber als das Theater 2005 restauriert wurde, dauerten die Arbeiten 5 Jahre (statt 18 Monate) und kosteten 100 Mio. USD (statt 25). So gesehen, hat Buenos Aires also schon lange seine «Elphi».

Una excursión diurna a Uruguay

Ein Tagesausflug in ein südamerikanisches Land, das tönt ein wenig komisch, nicht? Ist aber von Buenos Aires aus problemlos möglich, denn hier fährt täglich der Buquebus nach Colonia («Buque» ist Spanisch für Schiff). Die älteste Stadt von Uruguay (früher mal ein Vorposten der Portugiesen) liegt auf der anderen Seite des riesigen Rio de la Plata und ist mit der Schnellfähre in einer Stunde erreichbar.

Unser Schiff – die «Silvia Ana» –  ist nicht etwa ein alter schwimmender Blechhaufen, sondern eine der schnellsten Fähren der Welt. Bis vor kurzem führte sie zudem ein Doppelleben: Im Winter, also im europäischen Sommer, verkehrte sie jeweils als Fährschiff am Skagerrak, zwischen Dänemark und Norwegen.

Erstaunlich war auch die hohe Effizienz der Zollformalitäten: Check-in und Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, und dann ein Zoll-Schalter, wo der argentinische und der urugayische Zöllner gleich nebeneinander sitzen. Innert weniger Minuten hat man zwei Stempel mehr im Pass und ist in Uruguay eingereist, bevor man das Schiff betreten hat. Eine Kreditkartenzahlung im COTO-Supermarkt dauert sicher doppelt so lange.

Colonia del Sacramento, wie die verschlafene Kleinstadt mit vollem Namen heisst, hat ein sehr mediterranes Flair: Die malerische Altstadt, die Segelboote im Hafen und die vielen Badetouristen in den Strassencafés erinnern an Süd- oder Westfrankreich. So sind auch wir durch die Gassen und Plätze spaziert, haben uns in einem Park ausgeruht und in einem Strassencafé einen Espresso getrunken. Und auf einmal wurde uns bei all dieser Ruhe und Gelassenheit bewusst, dass wir zum ersten Mal seit 4 Wochen aus der Grossstadt raus waren. – ¡Qué tranquilidad!

In einem Restaurant mit Terrasse zur Strasse hin (wirklich wie in Frankreich!) haben wir dann beim Mittagessen gleich das uruguayische Nationalgericht ausprobiert: Das «Chivito» enthält alles was lecker (und dementsprechend ungesund) ist, nämlich Fleisch mit Speck, Schinken und Käse überbacken, mit Pommes und russischem Salat, Oliven und Tomaten, und von alldem nicht zu wenig.

Nach einem geruhsamen Tag sind wir nach einer letzten Cerveza wieder zum Hafen runtergewatschelt und aufs Schiff. Auf der Überfahrt drängten wir – wie alle Argentinier – in den Duty Free. Die argentinischen Importzölle sind so hoch, dass dieser Laden einen unglaublichen Umsatz macht. Auch wir kauften ein, nämlich zwei Tafeln Schweizer Schoggi. Und als das Schiff in Buenos Aires anlegte, waren wir wieder «zu Hause».