Reisetagebuch von Christian Kaiser

Kategorie: Reisen (Seite 6 von 10)

Ripper music and bonzer wine

Nach 10 Stunden Zugfahrt und 30 Minuten Zeitverschiebung erreichten wir Adelaide. Das heisst, fast, denn der Zug hält am «Parklands Terminal» und dieser ist in the middle of nowhere. Keine Busse, kein Tram, keine Taxis. Ein wenig Stirnrunzeln unsererseits, dann gingen wir halt zu Fuss los. Nachdem wir den ganzen Tag gesessen waren, tat uns ein kleiner Fussmarsch ganz gut. Also erreichten wir nach 40 Minuten unser Hotel und erfuhren dort, dass neben dem WOMADelaide gleich noch drei andere Festivals stattfanden: Das Fringe Festival (ähnlich dem Zürcher Theaterspektakel), das Adelaide Festival (Riesen-Chilbi und Events) und noch ein Food Festival. Kurz: die ganze Stadt war auf den Beinen, «Mad March» nennen das die Adelaiders. Wir stürzten uns ins Getümmel und fanden ein akzeptables Nachtessen.

Den Sonntag begannen wir (wieder einmal) mit einem superfeinen Zmorge, dann aber verkrochen wir uns wieder ins Hotel, denn es hatte so richtig zu regnen begonnen und hörte auch nicht wieder auf. Und wir hatten natürlich die meisten unserer diversen Regenklamotten in Sydney gelassen, da Tiger Air maximal 7kg Handgepäck erlaubt. Doch einmal mehr hatte Petrus ein Einsehen und gegen 18 Uhr versiegten die Tropfen. Genau richtig für uns, denn ein Open Air-Konzert ist ohne Regen entschieden besser geniessbar. Also auf in den Botanical Park, der mit 6 Bühnen und Dutzenden von Food-Ständen in ein veritables Festivalgelände umfunktioniert worden war. Da das WOMADelaide ein Weltmusik-Festival ist, assen wir unser jemenitisches Nachtessen zu japanischer Musik («Oki Dub Ainu Band»), danach hörten wir ein wenig «Bamba Wassoulou Groove» aus Mali, aber eigentlich warteten wir bis es 22:15h wurde. Und pünktlich begannen dann auf der dunklen Hauptbühne die Nebelmaschinen, dann die Scheinwerfer und schliesslich standen sie auf der Bühne und legten los: der Haupt-Act des Abends, der Grund unserer Adelaide-Reise, die «Parov Stelar Band» aus Oesterreich («we’re from the land without the ‘AL’»). Ihr erstes Konzert in Australien, und es war super. Wir tanzten, hüpften, schrien und klatschten was das Zeug hielt und genossen diesen tollen Abend. (Wer «Parov Stelar» ebenfalls mal live erleben will: am 26.8.2017 spielen sie am Zürich Openair)

Der Montag war dann schon wieder unser Rückreisetag nach Sydney, aber da der Flieger erst abends um 17h ging, schauten wir uns noch den schönen Botanischen Garten an und landeten dann schliesslich im «National Wine Centre of Australia». Könnt ihr Euch ja vorstellen, was man hier so tut. Neben einer kleinen Ausstellung stehen hier 120 verschiedene Weine zur Degustation bereit, und zwar mit einem automatisierten Dosiersystem, so dass man den Wein selber rauslassen kann. Sogar den «Penfolds Grange» kann man degustieren, allerdings kosten 2.5cl von diesem Saft lockere 37 Aussie-Dollars (die ganze Flasche gibt’s für AUD 700). Weil wir aber noch nicht in diesem Kundensegment trinken, degustierten wir ein paar andere schöne Weine. Und vom subjektiv Besten nahmen wir dann noch je ein Glas, damit wir das feine Fleischplättli nicht so trocken runterwürgen mussten…

Wine & dine in the other big smoke

Es holpert und quietscht andauernd, die weichen Sitze verströmen den Charme vergangener Zeiten, doch wollten wir es uns nicht nehmen lassen, eine Strecke in Australien im Zug zurückzulegen. So setzten wir uns also morgens um acht Uhr in Melbourne in den «Overland» Express und holperten nach Nordwesten. In Melbourne? Ach ja, davon will ich ja zuerst erzählen…

Am 8. März flogen wir von Sydney nach Melbourne. Tiger Air, Billig-Airline, Schnäppchen. Und wieso: Ende Dezember hatte ich in Buenos Aires per Zufall rausgefunden, dass Parov Stelar am 12. März in Adelaide an einem Open-Air-Konzert auftritt. «Da könnten wir ja rasch hin, ist ja nicht weit von Sydney.» – Zuerst nur so im Scherz dahingesagt, fanden wir bald raus, dass sich daraus tatsächlich ein guter Ausflug machen liess. Gesagt, gebucht.

So packten wir also letzten Mittwoch unser Handgepäck und fuhren zum Domestic Airport. Drei Stunden später sassen wir mitten in Melbournes CBD in einer lauschigen Seitengasse beim Business Lunch. Okay, wir nicht Business, aber die Geschäftsleute rund um uns herum schon. Melbourne präsentierte sich nämlich wirklich grad von der geschäftigen Seite. Dass die beiden Städte sehr unterschiedlich sind, hatten wir ja schon gehört, aber vom Ausmass waren wir dann doch etwas überrascht. Im Vergleich zu Sydney ist «Mäb’n» hektisch, eng und laut.

Hosier Lane, Street Art Gallery

Den Nachmittag und den ganzen Donnerstag verbrachten wir mit Stadtbesichtigung. Die Innenstadt ist gut zu Fuss oder mit dem Gratistram zu erkunden und danach findet man am Ufer des Yarra-Flusses garantiert ein schönes Plätzchen in einem der vielen Restaurants oder Biergärten. Was in der Schweiz oft abwertend als Graffiti bezeichnet wird, nennt man hier stolz Street Art. Fotografen beeilen sich jeweils, die besonders kreativen Bilder festzuhalten, denn oft werden sie schon rasch vom nächsten Künstler übermalt. Viel Street Art gibt’s auch in der «AC/DC Lane», benannt nach der berühmten australischen Band.

«Acca Dacca» Lane: Let there be rock!

Melbourne Street Art

Wie immer auf unseren Reisen durfte auch das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Also gingen wir ins Queen-Victoria-Building, in die riesige alte Markthalle. Aber am dortigen Food Festival hatte es so gedrängt viele Leute, dass wir hungrig wieder flüchteten. Nach einer Odyssee durch Fastfood-Chinatown landeten wir schliesslich beim Italiener, dessen Teigwaren mit Trüffelsauce fürs lange Suchen entschädigten. Das Frühstück am nächsten Morgen toppte dann aber alles: Im Higher Ground, einer umgenutzten «Power station», gab es Toastbrot mit frischer Avocado und Lemon salt; Rührei mit Auberginen-Curry und dazu einen feinen «Flat White». Und schliesslich ebenso fein am Donnerstagabend: Kambodschanisches Dinner im modernen Docklands-Quartier: Yummy!

Kangaroo Ground (Yarra Valley)

Für den Freitag hatten wir eine Wine-Tasting-Tour ins Yarra Valley gebucht. Wir wurden im Hotel vom Minibus abgeholt und besuchten im Laufe des Tages fünf verschiedene «Cellar doors». Da die Tour nicht ausgebucht war, waren wir nur vier Gäste: Chris und John aus Ohio waren für die «Mardi Gras» Parade nach Sydney gekommen und reisten nun noch ein wenig im Land umher. Und Bill, unser Fahrer, war früher im Rohstoff-Sektor tätig und hatte in diversen Minen dieser Welt gearbeitet. Zusammen hatten wir es ganz lustig, was natürlich auch an den nicht enden wollenden Weinproben lag. Jedenfalls mussten sich die beiden Amerikaner zwischen Chardonnay, Pinot noir und «Cab Sav» ständig unsere Witze über den amerikanischen Präsidenten anhören, obwohl sie ihn doch auch nicht gewählt hatten…

Lunch at Tokar Estate Winery, Yarra Valley (Aussicht toll, Wein weniger)

Den Freitagabend verbrachten wir dann noch am MOOMBA, einem Sommerfest mit Chilbi, Wasserskirennen und Feuerwerk, und am Samstagmorgen setzten wir uns – wie schon erwähnt – in den «Overland» Express und fuhren nach Adelaide.

GSR «Overland» Express in der Southern Cross Station, Melbourne

Outback (near «Back of Bourke»)

A fair go between coathanger and toaster

Sydney gehen wir sehr ruhig an. Nach einer vollgepackten Patagonien-Reise darf’s jetzt erstmals wieder etwas gemütlicher sein, und zum Glück haben wir genau die richtige Stadt dafür ausgewählt. Nach einer Woche haben wir uns schon bestens eingelebt. Was eigentlich ein wenig erschreckend ist: Da reist man auf die andere Seite des Globus und alles funktioniert wie zuhause. Wohnen, einkaufen, bezahlen, ÖV und so weiter. Es ist, als wären wir schon immer hier gewesen.

Natürlich waren wir diese erste Woche nicht ganz untätig: Die obligaten touristischen Highlights haben wir abgeklappert, im CBD waren wir shoppen und die Jogging-Strecke ist eingeweiht (durch Hyde Park und Botanical Garden zum Mrs Macquaries Point und wieder zurück). Carmen hat ein Yoga-Studio gefunden, ich eine Kunstgalerie mit «Life drawing» Klasse und gemeinsam quälen wir uns durch den Chinesisch-Crash-Kurs, damit wir dann in ein paar Wochen nicht nur Bahnhof verstehen. Nach einem Monat Restaurant-Essen steht uns momentan der Sinn nach selber kochen, was wir dank «Woolworths» und unserer gut eingerichteten Küche problemlos hinkriegen.

Und gerade weil hier die Dinge so ähnlich ablaufen wie zuhause, wird uns nochmals bewusst, was alles in Buenos Aires anders (oder bloss komplizierter) war. Unweigerlich beginnt man zu vergleichen: Buenos Aires protzt mit seinen Bauten aus der Jahrhundertwende, Sydney trumpft mit viel Platz und Grünflächen; Buenos Aires hat den Tango, Sydney das Opernhaus; La Boca versus The Rocks; San Telmo oder Bondi Beach; Palermo oder Surry Hills, und so weiter. Aber darum geht’s ja gar nicht, beide Städte haben ihre Licht- und Schattenseiten. Erstaunlich ist, wie unterschiedlich sich diese Orte entwickelt haben, obwohl sie eigentlich eine ganz ähnliche Geschichte teilen: Sowohl Sydney als auch Buenos Aires sind Millionenstädte, Hafenstädte, reiche Handelsstädte, grösste Stadt ihres Landes. Beide Länder sind riesig, reich an Rohstoffen, ehemalige Kolonien. Beide haben damals die indigene Population verdrängt, sich später vom Mutterland gelöst und sind zu Industrienationen aufgestiegen.

Wie lassen sich nun die Unterschiede erklären? Politik, Misswirtschaft und Korruption? Strafkolonien, Rum und angelsächsischer Imperialismus? Einfache Antworten gibt’s keine. Aber die Suche nach Indizien, die Hinweise darauf geben, weshalb sich die Geschichte in die eine oder andere Richtung gewendet hat, das ist es (unter anderem), was das Reisen so interessant macht.

Sleepless in Sydney

Wir wurden in die Moderne katapultiert, noch bevor der Vogel abgehoben hatte. Nicht, dass es uns in Buenos Aires oder Patagonien an irgendetwas gefehlt hätte, aber dieser «Dreamliner» von Air New Zealand war so hypermodern, dass wir Lateinamerika gleich an der Türschwelle hinter uns liessen. Kaum am Sitzplatz, kamen wir nicht mehr aus dem Schwärmen raus: farbige LED-Beleuchtung, bequeme Sitze, viel Platz, grosse Fenster, Unterhaltungssystem mit Touchscreen und zoombarer Weltkarte, leise Motoren, feines Essen. Und die haben sich wirklich mal überlegt, wie man diese unsäglich langweiligen Sicherheitsinstruktionen etwas aufpeppen könnte. Resultat: «Safety videos» als Hollywood-Kurzfilme im Stil von «The Hobbit» oder «Men in Black».

Jedenfalls brachte uns Air New Zealand sicher über die Datumsgrenze nach Auckland (wo Carmen morgens um fünf gleich den «Icebreaker» Store leerkaufte) und weiter nach Sydney. Die ersten Tage betrachteten wir unsere neue Umgebung noch durch die verschwommene Brille des Jetlag, immerhin galt es, 10 Stunden Zeitverschiebung zu bewältigen.

Aber Sydney, soviel konnten wir schon feststellen, liegt eigentlich in England. Die Leute, die Häuser, die Infrastruktur, das Wetter (am Samstag regnete es): Diese Stadt könnte sehr gut irgendwo an der Südostküste der britischen Insel liegen. Es gibt hier eine «Regent Street», eine «Sussex Street» und wir wohnen an der «Elizabeth Street». Bloss findet man daneben auch eigentümliche Ortsbezeichnungen wie z.B. «Woolloomooloo», «Barangaroo», «Wolli Creek» oder «Yagoona», also scheinen hier doch noch andere Einflüsse zu wirken. Zudem sprechen die Leute ein zwar wohlklingendes, aber völlig unverständliches Englisch.

Alles weitere gilt es jetzt zu entdecken, Berichte folgen.

Hooroo mates, see ya!

Campo del Hielo Sur

Gleich vorneweg: Was ich hier vor ein paar Tagen über hinterlistige Gletscher gemotzt hatte, das gilt nur für argentinische Gletscher. Die chilenischen Eiswände sind da viel zeigefreudiger. Aber der Reihe nach: 14. Februar, Puerto Natales, das Mietauto war abgegeben, Körper und Seele wieder in Form gebracht, es konnte also weitergehen. Und so verbrachten wir die nächsten drei Tage an Bord der M/N Skorpios III, um auf der Kaweskar-Route das südliche Eisfeld zu entdecken.

Wir gingen also auf eine Kreuzfahrt. Wobei ich gleich präzisieren muss: Wer jetzt an diese Riesenviecher mit 2’000 Kabinen, 12 Restaurants und Joggingstrecke auf Deck 9 denkt, der liegt falsch. Die «Skorpios» hat Platz für maximal 90 Passagiere, auf unserer Fahrt waren es 56. Ansonsten ist aber vieles den «richtigen» Ozeandampfern nachempfunden: Das Sonnendeck heisst auch hier so, es gibt ständig was zu Essen und alle Getränke sind inbegriffen (irgendwann hab ich die Pisco Sour’s nicht mehr gezählt…). Und ja, wir haben das Durchschnittsalter mächtig nach unten gezogen.

Beim ersten Abendessen zeigte die Vorstellungsrunde, dass die Passagiere zwar aus neun verschiedenen Staaten kamen, die meisten aber aus den USA. Wir teilten den (fest zugeteilten) Tisch mit je einem Paar aus England, Wisconsin und Australien/Neuseeland und hatten eindeutig die beste Tischrunde erwischt. Jedenfalls waren wir nach jedem Essen die letzten, die den «Comedor» verliessen, meist nachdem wichtige Themen wie US-Politik, Rugby oder Reisen mit viel britischem Humor abgehandelt worden waren.

In der ersten Nacht war das Schiff so weit nach Norden gefahren, dass wir nach dem Frühstück den riesigen Amalia-Gletscher erreichten. Hier wurden wir per Beiboot auf eine Landzunge vor dem Gletscher gefahren. Vor 15 Jahren wären wir hier noch an der Gletscherzunge gestanden, aber inzwischen hat sich diese rund 1.5km zurückgezogen, so dass wir noch einen kleinen Spaziergang vor uns hatten. Schon unterwegs hörten wir es ständig knallen und donnern: Die im Eis eingeschlossene Luft kommt unter der grossen Last immer mehr unter Druck und sucht sich dann einen Weg nach draussen. Zudem verzögerte sich unser Spaziergang etwas, weil uns eine kleine Herde Huemuls (Andenhirsche) «im Weg» stand: Diese seltenen und eigentlich scheuen Tiere liessen sich aber nicht gross von unserer Anwesenheit stören und bereicherten unsere Gletscherfotos mit einem zusätzlichen Sujet. Diese schossen wir von einem Beobachtungsfelsen, von welchem aus wir die ganze Frontwand der Amalia im Blickfeld hatten und auch die diversen Eis-Abbrüche beobachten konnten.

Als nächstes fuhr die «Skorpios» zum El Brujo-Gletscher. Auch hier brachte uns das Beiboot wieder näher heran, diesmal aber auf einen kleinen Felsen direkt vor der Wand. Und El Brujo liess sich nicht lumpen, da könnte sich der Perito Moreno ein Beispiel nehmen: ständig brach irgendwo Eis ab und donnerte ins Wasser hinunter. Ein riesengrosses Portal (sicher 50m hoch und 60m breit) brach innert einer halben Stunde völlig in sich zusammen, die grössten Abbrüche lösten gar eine so grosse Flutwelle aus, dass einzelne Beobachter sich eine höhere Stelle auf dem Felsen suchen mussten, um nicht nass zu werden. Wir kamen kaum aus dem Staunen raus und wollten gar nicht mehr zurück aufs Schiff.

Während dem Mittagessen zogen dann immer mehr Eisberge draussen vor dem Fenster vorbei und ab und zu rummste es durchs ganze Schiff, wenn die «Skorpios» mal wieder in einen reingefahren war. Irgendwann wurde es dann aber zuviel und das Schiff ging vor Anker. Aber die Schiffsgesellschaft hat hier draussen einen kleinen Eisbrecher stationiert, und so konnten wir noch ein paar Kilometer weiter in die Eiswüste vom Fiordo Calvo hineinfahren und die verschiedenen Gletscher (Fernando, Capitán Constantino, Alipio) aus der Nähe betrachten. Auch eine Kolonie «Lobos del Mar» und viele Kormorane bekamen wir zu Gesicht.

Am dritten Tag besuchten wir im Fiordo de las Montañas den Alina- und den Bernal-Gletscher, am Nachmittag folgte ein Ausflug mit dem Beiboot an der Angostura White. Hier nisteten Kormorane, Kondore und andere Vögel, zudem tanzten wieder einmal ein paar Delfine um unser Boot. Am Abend folgte standesgemäss das Captains Dinner mit Buffet und Tanz, und am nächsten Morgen mussten wir leider schon wieder von Bord.

El Frigorífico de Puerto Bories

Nach 2’750km Fahrt quer durch Patagonien endete unsere Autoreise in Puerto Natales, bei 51° 43′ 39″ südlicher Breite. Hier gaben wir mit einem «Lo siento, esta un poco sucio» unseren saumässig verdreckten, aber zuverlässigen Suzuki zurück. Eigentlich wäre Puerto Natales (knapp 20’000 Einwohner) ein schönes, lebendiges Städtchen, doch abgesehen vom Besuch in zwei feinen Restaurants und einer Lavaderia haben wir es links liegengelassen.

Grund dafür war unser super Hotel: Für den Abschluss unserer Patagonien-Reise (und auf Empfehlung von Paola, Danke Dir!) hatten wir uns einen hotelmässigen Höhepunkt ausgesucht: Das Hotel «The Singular» befindet sich in den ehemaligen Kühlhäusern der «Sociedad Explotadora de Tierra del Fuego». Diese Firma hatte hier im «Frigorífico Bories» zwischen 1915 und 1971 Millionen von patagonischen Schafen geschlachtet und deren Fleisch und Wolle nach Europa verschifft. Zeitweise war sie der grösste Arbeitgeber in Patagonien gewesen. Die Backsteingebäude waren im postviktorianischen englischen Stil erbaut worden, das meiste Baumaterial stammte aus Europa und war von den Schiffen als Ballast mitgebracht worden, bevor diese dann mit Fleisch und Wolle beladen wieder zurückfuhren. Seit 1996 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz und vor ein paar Jahren wurde der Gebäudekomplex zum Luxushotel und Industriemuseum umfunktioniert. Dank den hohen Auflagen der Schutzbehörde wurde die Original-Einrichtung sowie all die Maschinen im Gebäude belassen, was dem Hotel ein einzigartiges Ambiente verlieh.

Hier also liessen wir es uns zwei Nächte lang gut gehen, um uns von den Wanderungen und vom vielen Wind im «Torres del Paine» Nationalpark zu erholen. Unser «Wellness-Paket» umfasste ein paar Cerveza Austral, ein Guanaco-Filet zum Znacht, eine Massage, eine gute Portion stabiles Internet und ein riesiges Hotelzimmer und -bett mit Ausblick auf den Fjord von Puerto Natales. Beste Voraussetzungen, um die Höhepunkte unserer Reise nochmals Revue passieren zu lassen: Die grossartige, karge Landschaft, unsere schönen Wanderungen, die vielen Tierbeobachtungen, die Bekanntschaft mit Leuten, die in dieser abgelegenen Gegend leben und immer noch ein Stück von hiesigen Pioniergeist versprühen.