Reisetagebuch von Christian Kaiser

Kategorie: Patagonien (Seite 2 von 2)

De Guanacos y Gauchos

Unser letztes Teilstück auf der Carretera Austral war nochmals sehr eindrücklich, denn es führte dem Río Baker entlang, Chiles wasserreichstem Fluss. Dieser zieht zuerst breit und ruhig dahin, die Gegend ist ein Anglerparadies. Doch weiter bergab verschwindet er tosend in einer schmalen Schlucht und fliesst mit anderen Flüssen zusammen.

Kurz vor der Stadt Cochrane verliessen wir die Carretera Austral und bogen auf eine kleine Nebenstrasse ab, die durchs einsame Valle Chacabuco zur argentinischen Grenze führt. Doch noch wollten wir nicht zur Grenze, denn im Tal befindet sich eine Lodge, wo wir noch zweimal übernachteten. Dass der Aufenthalt in diesem Tal etwas ganz Spezielles werden würde, kündigte sich schon kurz nach der Abzweigung an: Gleich neben der Strasse weidete friedlich eine Herde Guanaco und schien sich an unserem Vorbeifahren nicht sehr zu stören. Mit jedem Kilometer veränderte sich die Vegetation und wechselte mehr und mehr zum Grasland, das die Leute hier bekanntlich Pampas nennen.

Bald erreichten wir die Lodge, welche ganz idyllisch im Tal liegt. Das Anwesen mit Restaurant, Park-Information, Campingplatz und Lodge ist ziemlich schön und ziemlich schick (Englische Architektur, so eine Art Neo-Kolonialstil), was uns natürlich super gefiel. Zugegebenermassen war es auch nicht ganz die billigste Unterkunft auf unserer Reise. Fürs Mittagessen mussten wir gleich das Restaurant ausprobieren und wir wurden nicht enttäuscht: Essen mit Blick auf die lokale Guanaco-Herde und Salat/Gemüse aus dem eigenen Garten/Gewächshaus. Am Nachmittag gingen wir dann eine Runde wandern, doch weil wir beide wie die kleinen Kinder alles erkunden mussten, ständig stehenblieben und Fotos schossen, hatten wir schlussendlich für die kurze Strecke fast doppelt so lang wie vom Führer angegeben.

Auch das Nachtessen liess kulinarisch keine Wünsche offen, so mussten wir auch am Folgetag auf eine Wanderung, um die vielen Kalorien wieder abzutrainieren. Wir starteten gleich nach dem Frühstück auf den «Lagunas Altas» Trail, eine 25km lange Rundwanderung mit knapp 1’000m Höhendifferenz. Die Tour war zwar anstrengend, aber sehr schön: Die Route führte an sieben Bergseen vorbei und die Aussicht erstreckte sich von der argentinischen Grenze im Osten bis zu den schneebedeckten Bergen des Eisfelds im Westen, und natürlich konnte man das gesamte Tal überblicken.

Die Geschichte dieses Tals, sowie jene von vielen anderen Natur- und Nationalparks Patagoniens ist äusserst interessant und geht auf die Initiative von Douglas und Kristine Tompkins zurück. Man mag dieses kalifornische Ehepaar nicht beim Namen kennen, wohl aber ihre beiden Outdoor-Marken: Douglas Tompkins war Mitgründer von «The North Face» und Kristine CEO von «Patagonia». Die beiden steckten ihr Geld (und ihr Herzblut) aber nicht in Yachten und dicke Autos, sondern in grosse naturbelassene Landparzellen in Chile und Argentinien, mit dem Ziel, diese so vor Abholzung und industrieller Nutzung zu schützen. So haben die beiden seit 1991 mit ihrer Stiftung mehr als 8’000km2 Land aufgekauft, konserviert und z.T. dem Staat vermacht, mit der Auflage, das Land in einen Nationalpark umzuwandeln.

Das Valle Chacabuco steckt noch mitten in diesem Prozess: Bis vor rund 10 Jahren stand hier eine runtergewirtschaftete Estancia, die mit der intensiven Schafzucht den Boden fast zerstört hatte. Kris Tompkins kaufte das Anwesen (690km2!), behielt das Personal und verkaufte Schafe und Rinder. Um das natürliche Grasland wieder herzustellen, wurden mit viel Hand- und Fronarbeit die invasiven Pflanzen ausgerissen. Fast 650km Weidezäune wurden entfernt, damit sich Guanaco und Huemul wieder ansiedeln konnten (das Tal liegt zwischen zwei anderen Naturparks). In ein paar Jahren soll aus dem Valle Chacabuco dann offiziell der «Parque Nacional Patagonia» werden, einen Besuch wert ist das Tal schon heute.

Lago General Carrera

Das Dorf Puerto Rio Tranquilo ist zwar tatsächlich sehr tranquilo, aber da es am Eingang des Valle Exploradores liegt, ist es der ideale Ausgangspunkt für allerlei Exkursionen aufs nördliche Eisfeld von Patagonien. Wir hatten eigentlich vorgehabt, mit Auto und Schlauchboot zur Lagune San Rafael rauszufahren, denn dort kalbt der San Rafael-Gletscher direkt ins Meer. Aber am Sonntag war das Wetter zu schlecht (starker Wind und etwas Regen) und so fuhr kein Boot hinaus. Wir waren dann aber nicht ganz unglücklich über den gewonnenen freien Tag, denn erstens tat es uns ganz gut, nach dem vielen Fahren mal wieder ein wenig auszuspannen, zweitens war dann das Wetter noch schlechter als angekündigt und drittens war unser Hostal, das El Puesto, einfach supergemütlich und bequem.

Am Montag war das Wetter zwar kälter, aber wieder besser. Über Nacht hatte es in den Bergen geschneit und so hatte sich die Kulisse bereits wieder verändert. Aber die andere Tour, die wir hier machen wollten, fand statt: Per Kajak gingen wir die Capillas de Marmol anschauen. Dabei handelt es sich um ein paar Felsen im Wasser, wo der Lago General Carrera in den letzten paar Millionen Jahren genügend Zeit hatte, den Stein auf Wasserhöhe abzufeilen und – wie der Spruch sagt – zu höhlen. Heute stehen diese Felsen praktisch auf Stelzen und wir hofften natürlich, dass diese nicht gerade dann zusammenbrachen, als wir unten durch paddelten. Sie hielten durch, trotz unseren Kollisionen mit dem unsteuerbaren Kajak. Und nach drei Stunden paddeln freuten wir uns auf einen heissen Kaffee und auf den Muskelkater, den wir am nächsten Tag unweigerlich kriegen würden.

Anschliessend waren nochmals 60km auf der Carretera angesagt, denn unser nächstes Nachtlager war in Puerto Guadal. Übrigens haben wir uns vom Kajak-Guide sagen lassen, dass hier alle Dörfer «Puerto irgendwas» heissen, weil früher sämtlicher Verkehr über den See ging. Die Strasse nach Puerto Rio Tranquilo zum Beispiel wurde erst vor rund 20 Jahren gebaut. Wir Europäer können uns nur schwer vorstellen, dass hier noch vor kurzem einfach «nichts» war, hat doch bei uns jeder Stein eine tausendjährige Geschichte. Kein Wunder, heissen hier Campings, Hostals und Dorfstrassen vielfach «Exploradores», «Pioneros» oder sind nach den Namen berühmter Entdecker benannt.

Heute überholten wir auf der «Carretera Austral» übrigens eine Joggerin, mitten im Niemandsland und weit weg von jeder Siedlung! Sachen gibt’s. Und dann muss ich hier auch endlich mal das «Calafate Ale» von Cerveza Austral erwähnen. Dieses Bier ist einfach der Hammer und wäre für sich alleine schon ein Grund, später wieder mal nach Patagonien zu kommen (verbunden mit einer Expedition in die Antarktis natürlich). Gebraut wird es in Punta Arenas von der vermutlich südlichsten Brauerei der Welt, ausser es gäbe in Ushuaia noch eine. Aber wahrscheinlich trinken sie dort Quilmes oder Stella Artois. So begann also unser Aufenthalt in Puerto Guadal mit einem «Austral Calafate», welches wir in einer kleinen Bar zusammen mit etwas Internet kriegten. Die Zeiten ändern sich eben: Früher fragte man nach dem Bestellen nach der Toilette, heute möchte man sofort das WiFi-Passwort wissen: «Una cerveza por favor, y cual es la llave para el ueifi?»

Carretera Austral (Segunda parte)

In einem Wort zusammengefasst, ist die Carretera Austral eine Schotterpiste. Zweifellos eine Schotterpiste durch eine atemberaubend schöne Gegend, aber dazu später. Erst einmal zur Strasse selber: Fahren auf Schotter ist einfach «huere geil». Weil archaisch, weil man mit dem (Miet-)Auto mal «chli ume-rueche» kann, weil ab ca. 50km/h in den Kurven das Heck so toll ausbricht und weil das Auto ein wenig schwimmt, wie wenn man auf Schnee fährt. Ups, habe ich mich gerade als Autofan verraten? Nein, so schlimm ist es nicht. Zudem habe ich ja ein Geschwindigkeitswarnsystem auf dem Beifahrersitz… 😁

Dabei sass Carmen gar nicht immer auf dem Beifahrersitz: Auf einigen Teilstücken hatte sie das Steuer übernommen und fuhr souverän, trotz jahrelanger Fahrpause. Und die Carretera ist auch längst keine reine Schotterstrasse mehr, in den letzten Jahren wurden einige Teilstücke asphaltiert. Zum Glück, denn das Fahren auf dieser Piste ist auch laut und unbequem. Nach einer Weile ist man völlig durchgeschüttelt, taub auf den Ohren, müde und staubig. Das Fahren braucht viel mehr Konzentration, man kommt langsamer vorwärts und es ist wohl auch ein bisschen gefährlicher (wie eines meiner Überholmanöver zeigte, aber dazu keine Details). Distanzmässig ist der grössere Teil asphaltiert, doch zeitlich gesehen fährt man gut zur Hälfte auf Schotter.

Die vergangenen 3 Tage fuhren wir jeweils zwischen 215 und 240km auf der Carretera südwärts: Caleta Gonzalo – Puyuhuapi – Coyhaique – Puerto Rio Tranquilo, jeweils 5 bis 6 Stunden Fahrt. Nicht zu unrecht wird die Strasse als schönste Route Südamerikas bezeichnet.

Am Donnerstag fuhren wir bei bestem Wetter durch dichten Urwald, durch abgebrannte Wälder (Vulkanausbruch El Chaitén im 2008), durch langgezogene, grüne Täler mit reissenden Flüssen, um schliesslich auf einer kleinen Ebene am Ende eines Sees anzukommen.

Am Freitag regnete es in Strömen, wir fuhren zuerst einem See, dann einem Meeresarm entlang. Danach wurden die Berge höher und rauher, die Strasse wand sich zu Serpentinen, links und rechts stürzten Wasserfälle hernieder. Wenig später, an einem zweiten Pass, wähnten wir uns in der Schöllenenschlucht, danach eher wieder in Schottland. Am Nachmittag wurde das Wetter wieder besser und die Landschaft lieblicher. Die Strasse war an einzelnen Stellen gepflastert, wohl weil hier der Boden ständig in Bewegung ist. Schliesslich erreichten wir Coyhaique, die grösste Stadt im chilenischen Teil von Patagonien. Coyhaique liegt auf einer Anhöhe über dem Fluss und umgeben von Bergen. Einer sieht aus wie der Calanda, ein anderer gleicht dem Tafelberg von Kapstadt.

Am Samstag folgte dann die spektakulärste Kulisse: Die Baumgrenze sank, die Berge schienen fahl in blassgelbem Kleid. Dann tauchten dahinter die ersten schneebedeckten Gipfel auf, schliesslich erste Gletscher. Die Strasse war wiederum kurvig, dann öffnete sich auf einmal die Landschaft zu breiten Schwemmtälern, die von mächtigen, mäandrierenden Flüssen durchzogen wurden. Schliesslich erreichten wir den Lago General Carrera, den grössten See von Chile, der sich da türkisblau zwischen den Bergen ausbreitet.

Auf der ganzen Strecke hatten wir in diesen drei Tagen vielleicht acht Dörfer passiert, mehr nicht. Die Gegend ist äusserst spärlich besiedelt. Dafür hatten wir jede Menge Velofahrer überholt: Sowohl bei praller Sonne als auch bei strömendem Regen quälten sich diese mit ihren schwerbepackten Bikes über Kies und Asphalt, ständig im Staub der vorbeifahrenden Autos. Chapeau, was für eine Leistung!

Imposant waren für mich auch die vielen Bauarbeiten: 1973 von Pinochet aus militärisch-strategischen Gründen initiiert, ist die Carretera Austral nun das Rückgrat für den patagonischen Landverkehr und wird kontinuierlich vom schmalen Kiesweg zur breiten, asphaltierten Landstrasse ausgebaut. Wir passierten unzählige Baustellen, mit Einspurbetrieb und viertelstündigen Wartezeiten, mit provisorischen Strecken durch Matsch und Geröll, wir sahen Baufahrzeuge bei abenteuerlichen Arbeitseinsätzen und Strassenbauer/innen im orangen Oelzeug bei Kälte, Wind und strömendem Regen. «Chile para todos», Chile für alle, stand jeweils auf den Baustellenplakaten, und so geniessen auch wir dieses Land, überwältigt von den Menschen, die wir in dieser rauhen Gegend treffen und von der Natur, durch die uns diese Strasse hindurchführt.

Baustelle bei Regen (Foto: Carmen)

Weiterlesen

Carretera Austral

Am Montagmorgen nahmen wir unseren Mietwagen entgegen und brachen nach Süden auf. Am ersten Tag legten wir „nur“ 110km zurück, unterbrochen von einer halbstündigen Fährenüberfahrt.

Kurz nach der Fähre hielten wir irgendwo an der Küstenstrasse an und gingen fürs Mittagessen ans Meer runter. Nachdem wir dort 10 Minuten auf einem grossen Stein gesessen waren und in menschenleerer Umgebung unseren Lunch verdrückten, hörten wir plötzlich Plansch-Geräusche vom Meer her. Und siehe da, wir kriegten Besuch: Eine Gruppe von vier Delfinen schwamm rund 30m von der Küste entfernt seelenruhig an uns vorbei, und die Tiere tauchten dabei alle paar Meter mit ihrer typischen Rolle aus dem Wasser auf. Was für eine schöne und unerwartete Begrüssung!

Hornopirén

Am Nachmittag kamen wir dann in Hornopirén an. Ein guter Teil der Strasse war Schotterpiste, so konnten wir schon mal ausprobieren, wie gut sich unser Suzuki auf diesem Untergrund fahren lässt. Wir bezogen unser Zimmer in einer einfachen Cabaña und gingen fürs Nachtessen ins Restaurant. Im Gegensatz zu Argentinien stehen hier auch Fisch und Meeresfrüchte hoch im Kurs. Kein Wunder, liegen doch die Fischgründe und -farmen gleich vor der Haustüre. Also bestellten wir Salmón bzw. Mariscos und wurden nicht enttäuscht: Selten hab ich so frische, so verschiedene und so viele Muscheln gegessen, und Carmens Lachstranche von der Grösse eines argentinischen Steaks war auch nicht zu verachten. ¡Muy rico!

Nochmals Fähre

Da in Hornopirén die Strasse nach Süden endet, kommt man nur mit dem Schiff weiter. Wir fuhren also frühmorgens auf die Fähre und genossen die 4-stündige Überfahrt, auch wenn das Wetter neblig-regnerisch war. Die Landschaft rundherum wurde immer steiler, bald fuhr das Schiff in einen langgezogenen Fjord und stoppte an einem einsamen Steg. Nun fuhren alle Autos im Konvoi 10km über eine unbewohnte Halbinsel, nur um auf der anderen Seite nochmals auf eine Fähre zu verladen. Nach dieser weiteren Fahrt erreichten wir Caleta Gonzalo. Ab hier führt die Strasse weiter, doch wir bezogen für die nächsten zwei Nächte eine der 7 Cabañas, die gleich neben der Fährstation liegen.

Caleta Gonzalo

Caleta Gonzalo hat weder Internet noch Mobilnetz-Empfang, es besteht einzig aus einem Café, 7 Cabañas, einem Naturpark-Infocenter und der Fähren-Anlegestelle. Völlig abgeschieden, könnte man meinen, doch nein: Alle paar Stunden kommt «Don Beto», die Fähre, und man muss sich dieses Schauspiel wieder und wieder ansehen: Zuerst kommen auf der Strasse von Süden immer mehr Fahrzeuge an, stellen sich in eine lange Kolonne und warten. Dann kommt die Fähre und giesst einen Schwall von Motorrädern, Pick-ups, Velos und Bussen auf den kleinen Platz. Backpacker suchen eine Mitfahrgelegenheit und unschlüssige Fahrer werden vom Hintermann angehupt. Kaum ist die Fähre leer, fahren schon die Autos aus der Warteschlange über die Landungsbrücke. Dann legt «Don Beto» ab und es kehrt wieder Ruhe ein. Oder kommt dort schon das nächste Auto daher? Für uns war es ein wenig wie fernsehschauen. Als es eindunkelte, wurde das Treiben weniger und im Café waren jetzt nur noch die Gäste aus den Cabañas fürs Nachtessen versammelt.

Parque Pumalin

Am Mittwoch erkundigten wir den Parque Pumalin. Dies ist der grösste private Naturpark Chiles und Caleta Gonzalo liegt mittendrin. Das Gebiet ist ein sehr steiles Tal und die Carretera Astral führt am Talboden hindurch. Der Park kann nur auf den ausgeschilderten Routen begangen werden, denn gleich neben der Strasse beginnt dichte Vegetation. Der „Sendero de Alerces“ führte uns durch diesen Urwald und an 1’000 jährigen Lärchen vorbei. Und ausgerechnet auf der Hängebrücke musste mir meine Sonnenbrille runterfallen, sie wird den Bergbach nun noch ein wenig länger geniessen… Danach machten wir uns noch auf den Tronador Trail, der vom Lonely Planet-Reiseführer zu recht als Treppenhaus bezeichnet wird. Jedenfalls legten wir in subtropischer Feuchtigkeit gut und gerne 400 Höhenmeter zurück, bis wir dann nach einer Stunde beim „Mirador Michinmahuida“ unseren Lunch geniessen konnten. Beim Abstieg freuten wir uns schon auf Dusche und Kaffee, und den Rest des Nachmittags verbrachten wir wieder mit fernsehgucken: Anlegen, ausladen, einladen, abfahren.

A través de los Andes a Chile

Der Drogenhund hat zum Glück nichts gefunden. Ich meine natürlich: Bei keinem der 30 Buspassagiere. Denn schliesslich dauert ein Grenzübertritt im Reisebus immer so lange, wie bei jenem Passagier, der die grössten Probleme verursacht. Und da sich Chilenen und Argentinier wohl gegenseitig nicht so sehr mögen, schikanieren sie sich am Grenzübergang mit Papierkram, Lebensmittel-Importverbot, Gepäckkontrollen und eben: mit Drogenschnüffelhunden.

Was bisher geschah: Nach 6 Wochen Spanisch-Intensivkurs in Buenos Aires haben wir nun die zweite Etappe unserer Reise-Auszeit begonnen, eine Reise durch Patagonien. Dieses Wort löst bei mir Reise-Sehnsucht aus, seit ich als kleiner Pfadi einen Schlafsack der gleichnamigen Marke mein Eigen nannte.

Jedenfalls sind wir also nach Bariloche geflogen, haben dort den Bus nach Puerto Varas (Chile) bestiegen und schadlos die Grenze überquert. Auf dem verbleibenden Teil der 6-stündigen Fahrt werden wir bestens unterhalten, denn unser Chauffeur hat einen Achziger-Jahre-Musikvideo-Megamix aufs Bordunterhaltungssystem geschaltet. Klar, dass wir beide versuchen, Interpret und Titel des jeweiligen Songs möglichst als Erster aus der Erinnerung zu holen. Dieses Spiel ist aber nicht so einfach, da die leise Musik im Fahrzeuglärm fast untergeht und die Bilder fast stumm von Madonna zu Sting zu Bon Jovi zu Laura Branigan wechseln. Wir lachen uns krumm ab all den Dauerwellen, Grufti-Kleidern, Achselpolster-Jackets und Jeans-Overalls, und wollen nicht zu sehr daran denken, dass wir damals selber auch so rumgelaufen sind. Vor lauter 80ies verpassen wir fast noch den Blick auf den Chilenischen „Fuji-san“, den schneebedeckten Kegel vom Volcán Osorno, der sich heute majestätisch vor wolkenlosem Himmel präsentiert.