Unser letztes Teilstück auf der Carretera Austral war nochmals sehr eindrücklich, denn es führte dem Río Baker entlang, Chiles wasserreichstem Fluss. Dieser zieht zuerst breit und ruhig dahin, die Gegend ist ein Anglerparadies. Doch weiter bergab verschwindet er tosend in einer schmalen Schlucht und fliesst mit anderen Flüssen zusammen.

Kurz vor der Stadt Cochrane verliessen wir die Carretera Austral und bogen auf eine kleine Nebenstrasse ab, die durchs einsame Valle Chacabuco zur argentinischen Grenze führt. Doch noch wollten wir nicht zur Grenze, denn im Tal befindet sich eine Lodge, wo wir noch zweimal übernachteten. Dass der Aufenthalt in diesem Tal etwas ganz Spezielles werden würde, kündigte sich schon kurz nach der Abzweigung an: Gleich neben der Strasse weidete friedlich eine Herde Guanaco und schien sich an unserem Vorbeifahren nicht sehr zu stören. Mit jedem Kilometer veränderte sich die Vegetation und wechselte mehr und mehr zum Grasland, das die Leute hier bekanntlich Pampas nennen.

Bald erreichten wir die Lodge, welche ganz idyllisch im Tal liegt. Das Anwesen mit Restaurant, Park-Information, Campingplatz und Lodge ist ziemlich schön und ziemlich schick (Englische Architektur, so eine Art Neo-Kolonialstil), was uns natürlich super gefiel. Zugegebenermassen war es auch nicht ganz die billigste Unterkunft auf unserer Reise. Fürs Mittagessen mussten wir gleich das Restaurant ausprobieren und wir wurden nicht enttäuscht: Essen mit Blick auf die lokale Guanaco-Herde und Salat/Gemüse aus dem eigenen Garten/Gewächshaus. Am Nachmittag gingen wir dann eine Runde wandern, doch weil wir beide wie die kleinen Kinder alles erkunden mussten, ständig stehenblieben und Fotos schossen, hatten wir schlussendlich für die kurze Strecke fast doppelt so lang wie vom Führer angegeben.

Auch das Nachtessen liess kulinarisch keine Wünsche offen, so mussten wir auch am Folgetag auf eine Wanderung, um die vielen Kalorien wieder abzutrainieren. Wir starteten gleich nach dem Frühstück auf den «Lagunas Altas» Trail, eine 25km lange Rundwanderung mit knapp 1’000m Höhendifferenz. Die Tour war zwar anstrengend, aber sehr schön: Die Route führte an sieben Bergseen vorbei und die Aussicht erstreckte sich von der argentinischen Grenze im Osten bis zu den schneebedeckten Bergen des Eisfelds im Westen, und natürlich konnte man das gesamte Tal überblicken.

Die Geschichte dieses Tals, sowie jene von vielen anderen Natur- und Nationalparks Patagoniens ist äusserst interessant und geht auf die Initiative von Douglas und Kristine Tompkins zurück. Man mag dieses kalifornische Ehepaar nicht beim Namen kennen, wohl aber ihre beiden Outdoor-Marken: Douglas Tompkins war Mitgründer von «The North Face» und Kristine CEO von «Patagonia». Die beiden steckten ihr Geld (und ihr Herzblut) aber nicht in Yachten und dicke Autos, sondern in grosse naturbelassene Landparzellen in Chile und Argentinien, mit dem Ziel, diese so vor Abholzung und industrieller Nutzung zu schützen. So haben die beiden seit 1991 mit ihrer Stiftung mehr als 8’000km2 Land aufgekauft, konserviert und z.T. dem Staat vermacht, mit der Auflage, das Land in einen Nationalpark umzuwandeln.

Das Valle Chacabuco steckt noch mitten in diesem Prozess: Bis vor rund 10 Jahren stand hier eine runtergewirtschaftete Estancia, die mit der intensiven Schafzucht den Boden fast zerstört hatte. Kris Tompkins kaufte das Anwesen (690km2!), behielt das Personal und verkaufte Schafe und Rinder. Um das natürliche Grasland wieder herzustellen, wurden mit viel Hand- und Fronarbeit die invasiven Pflanzen ausgerissen. Fast 650km Weidezäune wurden entfernt, damit sich Guanaco und Huemul wieder ansiedeln konnten (das Tal liegt zwischen zwei anderen Naturparks). In ein paar Jahren soll aus dem Valle Chacabuco dann offiziell der «Parque Nacional Patagonia» werden, einen Besuch wert ist das Tal schon heute.










Baustelle bei Regen (Foto: Carmen)
Am Samstag fuhren wir nach San Isidro an die «Perú Beach», weil wir gehört hatten, dass es hier sehr schön sei und zudem eine Kletterwand habe. Die Reise in diese Vorstadt dauerte dann ein wenig länger als geplant, weil nämlich der Zug an der «Barrancas»-Station wegen Bauarbeiten einfach durchfuhr und wir nicht wie vorgesehen aussteigen konnten. So wurde der Spaziergang etwas länger und der Hunger etwas grösser, bis wir dann an der Perú Beach ankamen. Die Anlage versammelt verschiedene Sporteinrichtungen und ist so eine Art Zürihorn von BsAs. Und am Samstagnachmittag tummeln sich hier gefühlte 3 Porteños pro Quadratmeter. Nach einer kurzen Inspektion von Kletterwand und Mietmaterial entschieden wir uns, das Klettern auf ein andermal zu verschieben. Stattdessen setzten wir uns mit einem dicken Fleischbörger und einer Cerveza auf die Terrasse und schauten den Kite-Surfern zu.
Am Sonntag stand dann Frühstücken auf dem Programm: Nachdem wir bis jetzt immer zuhause Müesli gefuttert hatten, war die Lust auf ein ausgiebiges argentinisches Frühstück gross. Im Café «Pertutti» an der Santa Fe wurde uns ebendieses aufgetischt: Kaffee, Orangensaft, Medialunas, Fruchtsalat, Toasts und ein Stück Torte nach Wahl. Hab ich schon mal erwähnt, dass es die Argentinier gerne süss haben?
Am Montagabend gingen wir nur rasch ins Shopping Center. Nicht etwa, weil wir noch etwas brauchten, sondern weil wir das einfach selber sehen mussten: Das «Abasto» ist eines der grössten Shopping Centers in BsAs und liegt in der Halle des früheren Engrosmarkts. Es beherbergt nebst mehreren Einkaufsebenen und dem obligaten «Food Court» auch noch einen Vergnügungspark. So steht also tatsächlich im vierten Stock ein Riesenrad (!), ein Piratenschiff, eine Achterbahn, ein Karussel, Autoscooter und vieles mehr…
Am Mittwoch wurde ich meinem Bruder untreu und ging zum Coiffeur. Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen. Abends besuchten wir eine Milonga. Auch wenn genausowenig alle Porteños Tango tanzen wie alle Schweizer jodeln, so ist BsAs dennoch die Hauptstadt des Tango und jeder Besuch der Stadt wäre unvollständig ohne eine Milonga. Unsere Milonga begann mit einem stündigen Tango-Kurs, damit man wenigstens die Tanzrichtung und den Schritt wieder einigermassen im Griff hatte. Anschliessend trat die Hausband für ein (grässliches) Live-Konzert auf, dann folgte die Milonga (Tanz). Abschliessend zeigte uns dann noch ein Profi-Paar, wie Tango aussieht, wenn man’s richtig beherrscht.
Am Donnerstag und Freitag machten wir fürs Nachtessen nochmals Palermo unsicher, denn inzwischen hatten wir unsere Vorräte aufgebraucht und der Kühlschrank war leer. Und schliesslich: Koffer packen, Wohnung abgeben, Taxi zum Flughafen, einchecken. Fortsetzung folgt.