Reisetagebuch von Christian Kaiser

Autor: Christian (Seite 5 von 12)

Reisender Computerfreak und neuerdings Blogger.

문맹 한옥 – Analphabeten im Hanok

Seoul ist eine einzige Reizüberflutung. Dabei ist hier alles gut organisiert und die Leute sind sehr gesittet, aber es ist halt einfach alles sehr… nun ja, sehr koreanisch. Nicht, dass wir es anders erwartet hätten, aber die Absolutheit unseres Nichtverstehens ist dennoch erstaunlich. Wieviele Informationen man über die Schrift aufnimmt, wird einem erst bewusst, wenn man diese einmal nicht versteht. Und das ist ja schlimmer, als wenn man einfach etwas verpassen würde. Überall grinsen uns diese Hangeul-Zeichen an und grölen: «Ätsch, das versteht ihr jetzt halt nicht!». Strassenbezeichnungen, Lebensmittel, Ticketautomaten, Stadtpläne, Webseiten, Konsumprodukte, Speisekarten: Alles auf koreanisch, und zwar ausschliesslich. Als «Ungebildeter» (=so bezeichnen Koreaner Leute, die kein Koreanisch können) hat man keine Chance, man schaltet rasch in den Ausprobiermodus.

Damit jetzt aber kein falscher Eindruck entsteht: Uns gefällt dieses Analphabeten-Dasein tierisch. Es ist ja so offensichtlich, dass wir hier fremd sind, wir müssen uns weder Mühe geben, noch versuchen alles perfekt hinzukriegen. Es kommt einfach wie’s kommt.

Und diese Stadt erstaunt uns jeden Tag von neuem: Nachdem wir spätnachts bei Dunkelheit angekommen waren, entzückten uns am anderen Morgen die Berge, die da vor unserer Nase standen: Nie wär mir in den Sinn gekommen, dass Seoul hügelig sein könnte. Kurz darauf kamen wir an einer Schweizer «Läderach»-Filiale vorbei. Bei grossen Strassenkreuzungen haben sie hier richtungsgetrennte Fussgängerstreifen. Die jüngeren Semester bahnen sich problemlos ihren Weg durchs Gedränge, ohne auch nur einmal von ihrem Händi aufzuschauen. Und unsere koreanische Vermieterin kann akzentfrei «Tipp topp» und «En Guete» sagen.

Ach ja: Wohnen tun wir übrigens im Stadtteil Jongno-gu, in einem herzigen «Hanok», mitten im «Seochon Hanok Dorf» und unweit des Gyeongbokgung-Palasts. Hanok, so heissen die traditionellen koreanischen Wohnhäuser. Diese kleinen, einstöckigen Holzhäuser umfassen einen Innenhof und sind eng aneinandergebaut. Die Zugangsstrassen sind entsprechend schmal und verwinkelt, das ganze Quartier ist ein einziges Labyrinth. Unser Haus hat ein Schlafzimmer mit Futon, eine kleine Büroecke, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Bad, dazu noch einen ungeheizten Raum für die Teezeremonie. Die Schiebetüren sind aus Holz und Papier und fast alle Räume haben Zugang zum Innenhof. Wir haben Bodenheizung und superschnelles Internet. Und in der Nacht ist es so wunderbar still, dass man vergisst, dass man sich mitten in einer 10-Millionen-Stadt befindet.

Alt und neu passen in Seoul gut zueinander, denn kaum einen Kilometer weiter stehen die Wolkenkratzer von Jongno-gu und die Shopping-Paläste von Itaewon, aber davon ein andermal mehr.

Stop-over bei den Kiwis

Unser Weg von Fidschi nach Seoul führte über Neuseeland. Das ist natürlich alles andere als der direkte Weg, aber Schuld daran ist eindeutig StarAlliance, die Fidschi nicht in ihr Streckennetz eingebunden hat. Also mussten wir nochmals nach Auckland (von Buenos Aires nach Sydney waren wir ja schon mal hier zwischengelandet). Diesmal wollten wir den Stop-over aber noch ein wenig verlängern, um uns kurz die Stadt anzuschauen.

Ankunft spätabends, Abflug frühmorgens, 2 Nächte im Flughafenhotel, am Tag dazwischen mit dem SkyBus in die Stadt und zum Flughafen zurück, das ergab genau 11 Stunden in Downtown Auckland. Normalerweise bleiben Schweizer wohl etwas länger in Neuseeland…

Viaduct Basin/Maritime Museum

Und so liest sich unser Bericht wie jener «Was-tun-in-einem-Tag?» Abschnitt im Lonely Planet: Erst schlenderten wir die Queen Street runter bis zum Hafen, dann frühstückten wir an der Marina im trendigen Viaduct Basin Quartier. Hier wurde 2000 und 2003 zweimal der America’s Cup ausgetragen und dafür wurde die Gegend damals ziemlich aufgewertet. Wir erinnern uns: 2003 gewann «Alinghi» den Cup und plötzlich war die Schweiz eine Seglernation. Ganz in der Nähe liegt die Westhaven Marina, welche mit 1’400 Standplätzen der grösste Yachthafen auf der Südhalbkugel ist. Gemäss Wikipedia gibt es auch nirgendwo sonst auf der Welt so viele Segelboote pro Einwohner wie in Auckland.

Quay Street mit Ferry Building (und Zurich Versicherung…)

Jedenfalls umrundeten wir nach dem Essen das Hafenbecken, gingen über die Wynyard Crossing-Zugbrücke, schauten auf die Harbour Bridge rüber (kommt bei weitem nicht an jene von Sydney heran), spazierten am Maritime Museum und am Ferry Building vorüber und bogen dann wieder in die Innenstadt ab. Am Aotea Square bewunderten wir die schöne Architektur von Aotea Center, Town Hall und einem Entertainment Centre und danach war bereits wieder Zeit zum Mittagessen. Zu unserem Erstaunen war Auckland’s Zentrum recht klein und auch sonst kam uns die Stadt eher wie eine weitläufige Kleinstadt vor, als wie eine Grossstadt. Was nicht negativ gemeint ist.

Auckland Museum – NZ’s grösstes & wichtigstes Museum

Am Nachmittag machten wir einen ausgedehnten Spaziergang durch den Albert Park, über den Campus der Universität, durch den Domain Park bis zum Auckland Museum hoch und weiter bis zu Wintergarden und Fernery. Auf dem Lover’s Walk (ja ja, der Weg heisst so) gingen wir daraufhin zurück in die Innenstadt, bis zur Auckland Art Gallery, wo wir den Museumsladen plünderten.

Fernery – Der Silberfarn ist ja das nationale Emblem von Neuseeland

Schliesslich kamen wir beim Sky Tower an. Auf diesem Aussichtsturm gibt’s im 52. Stock ein Drehrestaurant und dreimal dürft ihr raten, wo wir fürs Nachtessen reserviert hatten. Nun, auf diese Weise sparten wir uns nicht nur die 30 Kiwidollar Eintritt fürs Aussichtsdeck, sondern kamen auch an der Warteschlange vorbei. Und das Nachtessen war mindestens so gut wie die Aussicht!

Auckland by night

Mit diesem Tag in Auckland ging unsere Zeit auf der Südhalbkugel zu Ende, nach vier Monaten Südsommer würden wir am nächsten Morgen in den Frühling fliegen. In Seoul sollten jetzt die Kirschbäume blühen…

Ni sa mode – From Fiji with Love

All good things come to an end, so auch unsere Fidschi-Ferien. An unserem letzten Abend durften wir unser Nachtessen in spezieller Umgebung geniessen: Am Strand war unter einem «Gazebo» ein Tisch für uns zwei gedeckt, mit weissem Tischtuch und Blumenblüten. So assen wir im Schein der Petrollampe und der Sterne und genossen unsere «Fiji Time» (So nennen sie hier die Zeitlosigkeit bzw. das Nichtstunmüssen).

Romantisches Gazebo-Dinner am Strand

Während dieser Woche hatten wir die supernette Belegschaft kennen- und schätzengelernt, und so wurde der Abschied fast ein wenig emotional. Kurz vor unserer Abreise besammelten sich alle bei der Strandbar, sangen uns ein Abschiedslied und wir erhielten eine Blumenkette umgehängt.

«Ni sa mode» – Auf Wiedersehen, Fidschi!

Damit wir auf Viti Levu keine Zusatznacht einlegen mussten, hatten wir uns für die Rückreise zum «Mainland» (Fidschis Hauptinsel) etwas Besonderes zurechtgelegt. Okay, zugegeben, der wahre Grund war natürlich, dass Carmen als Flieger-Fan immer auf der Suche nach Fluggeräten war, die wir noch nicht ausprobiert hatten. Und dazu gehörte zum Beispiel das Wasserflugzeug. Check!

de Havillard «Turbo Otter» (Baujahr 1960)

Kaum hatten wir uns also von der Ressort-Crew verabschiedet, hörten wir schon das nahende Kleinflugzeug. Die «Turbo Otter» überquerte die Bucht in einer Volte und landete dann direkt vor unserem Strand. Das Motorboot vom Resort fuhr uns zum Flieger raus, wir kletterten auf den Schwimmer, eine letzte Verabschiedung und dann rein in die Kabine. Kurz darauf holperten wir über die Wellen und hoben ab. Nach einer Zwischenlandung in einem benachbarten Resort (Yeah, landen auf dem Wasser ist cool!!!) konnten wir noch ein letztes Mal die verschiedenen Blautöne des Meeres bewundern und schon bald landeten wir auf dem Flughafen in Nadi, just in time für den Weiterflug nach Auckland. Ni sa mode, Fidschi. Navutu totoka, Vinaka vakalevu!

Die letzten kleinen Inseln, bald schon lassen wir die Südsee hinter uns…

Navutu Totoka – Ein Tag am Meer

Unser Resort war ja wirklich abgelegen auf einer einsamen Insel, ausser unserer Bure, dem Strand und dem Haupthaus gab es hier nichts. Hundert Meter Strand, davor Meer, dahinter Palmenwald und fertig. Einen kurzen Moment lang sorgten wir uns deshalb, dass wir uns auf Fidschi langweilen würden, aber weit gefehlt!

Frühmorgens

Schon am ersten Abend entschlossen wir uns, den Tag jeweils früh zu beginnen, denn einerseits wollten wir von 7 bis 8 Uhr die Yoga-Klasse besuchen, und andererseits war zu dieser Zeit die Temperatur noch angenehm. An manchen Tagen schwammen wir vor dem Yoga noch eine kurze Runde im Meer, an anderen gingen wir danach eine Runde Kajak fahren. So gegen 9 Uhr gingen wir dann frühstücken (mit frischen Früchten aus dem Dorf: Ananas, Papaya, Passionsfrucht, Kokosnuss, … Mmhhh!).

Erste Sonnenstrahlen am Strand

Vormittag

Den weiteren Morgen verbrachten wir dann in der Hängematte oder im Liegebett beim Lesen, oder aber wir gingen auf einen Schnorchel-Ausflug. Schnorcheln war für uns eine neue Erfahrung. Zusammen mit Taucherbrille und Flossen kriegten wir im Pool eine kurze Einführung, danach ging’s schon los: Ruby, unser Guide fuhr uns mit dem Motorboot ein paar Minuten aufs offene Meer hinaus, zum «Nato»-Riff. Wir sprangen über Bord, setzten die Taucherbrille auf, schauten unters Wasser und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Gleich unter uns lag das Riff, gut zugänglich weil gerade Ebbe war. Die höchsten Korallen lagen nur gerade einen halben Meter unter der Wasseroberfläche. Tief beeindruckt von der grossen Vielfalt an Tieren und Korallen kreuzten wir über dem Riff und beobachteten Fische, Seesterne etc.

Diesen «Mantaray»-Rochen haben wir leider (oder zum Glück?) nicht aus der Nähe gesehen

Es folgten drei weitere Schnorchel-Ausflüge, einer an die «Blue Lagoon» Beach. Hier schwammen wir umringt von Hunderten von Fischen, die uns oft bis auf wenige Zentimeter vor die Taucherbrille kamen. Super eindrücklich und geradezu hypnotisierend. Ein anderer Ausflug führte uns zur «Sawa-I-Lau» Höhle ganz im Norden der Yasawas. Diese Sandsteingrotte ist mit Süsswasser gefüllt und der hintere Teil ist nur mit Tauchen zu erreichen. Zum Glück war da ein Guide mit Taschenlampe, aber ich sah dennoch kaum, wohin ich zu tauchen hatte, damit ich nicht in eine Wand schwamm, sondern am anderen Ende des Gangs wieder an die Oberfläche kam. In der hinteren Höhle war es stockdunkel. Der Guide wies mit der Lampe den Weg und hiess mich, einen rund 20m langen Gang entlang zu schwimmen. Am Ende des Ganges fiel aus einem hohen, vertikalen Kamin etwas Tageslicht hinunter. (@Büsch: Respekt vor Deinem Hobby, aber ich werde Dich auch künftig nicht beim Höhlentauchen begleiten…)

Mittag

Am Mittag liessen wir uns hin und wieder verwöhnen, entweder mit einer fidschianischen «Bobo»-Massage, oder aber mit einem «Vonu»-Bier zum Mittagessen. («Vonu» heisst «Schildkröte» und das ist auf Fidschi ein Glücksbringer).

«Vonu» – nach dem «Calafate Ale» von Cerveza Austral das zweitbeste Bier unserer Reise

Nachmittag

Den Nachmittag verbrachten wir dann wiederum entweder in der Hängematte, oder auf einer Exkursion: Einmal führte uns Kix, unser Guide (mit Machete bewaffnet) auf dem «Navokavoka Trail» zur Spitze des nahegelegenen Hügels, ein andermal zeigte er uns auf dem «Plantation Walk» die Felder, auf welchen die Dorfbewohner in Subsistenzwirtschaft Früchte und Gemüse anbauen. Für uns Stadtmenschen war es durchaus lehrreich, mal eine Ananasstaude, einen Mangobaum und eine Maniokwurzel aus der Nähe zu sehen. Und die wilden Chillies am Wegrand, die waren im Fall u-huere-scharf!

Auf dem Navokavoka Hill, im Hintergrund unser Resort

Am Freitag durften wir an der traditionellen Kava-Zeremonie der Angestellten teilnehmen. Dieses Getränk wird aus der Wurzel der Pfefferpflanze hergestellt und schmeckt ein wenig wie flüssiges Süssholz. Und am Sonntagnachmittag gab uns der «Lions Cubs»-Kinderchor aus dem Dorf ein kleines Konzert. «Lions Cubs» ist ein von den italienischen Eigentümern des Resorts ins Leben gerufene Hilfsprogramm, welches für die armen Kinder vom Dorf sorgt (meist Waisen oder Kinder aus Ein-Eltern-Familien).

Vorabend

Nach 17 Uhr schwächte sich die Sonne ab und es wurde kühler, so gingen wir um diese Zeit nochmals ins oder aufs Wasser (neben Kajak probierten wir auch Stand-up-paddeling mal aus) oder wir machten einen Strandspaziergang. Bereits kurz nach 18 Uhr ging nämlich die Sonne unter, und wie in Äquatornähe üblich, war es kurz darauf ganz dunkel.

Kurz nach Sonnenuntergang (bei Ebbe)

Abend

Ab 18 Uhr war dann auch die Bar geöffnet, und man traf sich auf einen Drink. Die erste Wochenhälfte unterhielten wir uns bestens mit zwei Paaren aus den USA: Drew & Ari aus L.A. waren auf Fidschi in den Flitterwochen, und Michael & Mandy aus Phoenix (Arizona) litten am selben Reisevirus wie wir.

Mit Piña Colada & Co. an der Bar

Das anschliessenden Nachtessen bestand jeweils aus 3 Gängen und war immer superfein. Meist assen wir Fisch und Meeresfrüchte aus lokalem Fang. Einmal gab es Riesenkrabbe («mud crab»): Mann, war das ein Schlachtfeld auf dem Teller! Und dass wir auf unserem Strand jeden Tag die kleineren Exemplare beim Herumkrabbeln beobachtet hatten, half beim Essen auch nicht gerade.

Das Grosse Krabbeln: Die gruseligen Viecher laufen seitwärts, und zwar huere schnell!

Yanuyanu lailai – Auf der einsamen Schatzinsel

Eine natürliche Entwicklungsphase bei Buben sind die Piraten. Sie beginnt meist gleich nach den Dinosauriern und wird dann irgendwann von den Weltraum-Missionen abgelöst. Und schon lange vor Jack Sparrow wusste jeder Knabe instinktiv, wie Piraten aussahen und in welcher Umgebung sie lebten. In jeder guten Piratengeschichte kam eine kleine, einsame Insel vor: Weisser Sand, türkisblaues Meer, Kokospalmen am Strand. Im Innern der Insel erhob sich drohend ein erloschener Kegelvulkan und irgendwo lag in einer Seemannskiste jener Schatz vergraben, den man anhand der geheimnisvollen Karte finden würde, die es per Zufall grad jetzt in einer alten Rum-Flasche an den Strand gespült hatte…

Strandferien hingegen hatte ich schon als Kind nicht so gemocht. Zu heiss, zu viel Sonne, immer war alles voller Sand, klebrig vom Salz und fettig von der Sonnencrème gewesen. Dazu hatte ich das Talent besessen, ständig barfuss in Scherben oder brennende Zigarettenkippen zu stehen oder wenigstens einen Sonnenbrand einzufangen. Am meisten aber hatten mich die Menschenmassen genervt: Gedränge auf dem Parkplatz, am Strand, beim Anstehen fürs Glacé. Und immer die coolen Jungs, die Frisbee oder Ball gespielt und dabei regelmässig Fehlschüsse in die Menge (=auf mich) gefeuert hatten.

Also klar: Badeferien stehen bei mir nicht sehr hoch auf der Prioritätenliste. Aber wenn man dann schon mal auf Weltreise ist und die Südsee per Zufall grad in der Nähe ist, dann «muss» man halt doch wieder einmal in die Strandferien, um sich diesen Kindheitstraum von der einsamen Schatzinsel zu erfüllen. Und ja, vielleicht haben mich neben den Piratengeschichten auch «Lost», «Blue Lagoon» und jener «Tahiti» Duschmittel-Werbespot zusätzlich inspiriert.

Unsere Wahl fiel auf eine kleine Insel der Yasawa-Gruppe, im Nordwesten von Fidschi (auf der Nachbarinsel war damals tatsächlich «Blue Lagoon» gedreht worden). Ein wenig wehmütig verabschiedeten wir uns von Australien (Hooray!) und verliessen Sydney am Mittwochmittag. Mit «Fiji Airways» flogen wir nach Nadi und übernachteten einmal. Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Schnellboot fünf Stunden lang übers Meer und an diversen Inseln vorbei, stiegen dann vor «unserer» Insel in ein Beiboot um und wurden mit diesem direkt an den Strand vor unserem Resort gefahren.

Hier empfing uns singend ein Teil der Hotelcrew, man drückte uns einen Welcome-Drink in die Hand und kurz darauf konnten wir unser Strandhaus («Bure» heissen die hier) beziehen. Hier geniessen wir es jetzt eine Woche lang und erholen uns von den anstrengenden letzten drei Monaten 😄. Das Resort ist mit 9 «Bures» wunderbar klein und liegt völlig abgelegen. Neben uns waren noch fünf andere Paare hier und am Abend an der Bar kamen wir bei einem Drink ein wenig ins Gespräch. Selbstverständlich probierten wir den «Drink of the day», er hiess «Pirate passion».

Some spiffy bush

Als Schweizer ist man sich gewohnt, auf einen Berg hinauf- und anschliessend wieder hinunterzusteigen. Deshalb war ich ein wenig skeptisch, als mir Carmen das Höhenprofil unserer Blue Mountains-Wanderung zeigte: Vom Startpunkt aus ging es zuerst rund 300m runter und am Schluss dann wieder hinauf. Unterirdische Berge oder sowas?

Also hinfahren und nachschauen, denn an unserem zweitletzten Tag in Australien war es per Zufall wiedermal so richtig sonnig. Am Bahnhof von Wenworth Falls stiegen wir aus und der Wanderweg führte uns gleich in ein hübsches, ruhiges Tal. An einem kleinen Bach entlang ging es sanft abwärts. Abwärts! Nach einer halben Stunde wurde mir dann die Bedeutung des Höhenprofils schlagartig klar, und auch der Name dieses kleinen Ortes machte nun plötzlich Sinn: Das kleine Tal brach nämlich abrupt ab und es öffnete sich eine riesige Schlucht. Der Bach stürzte hier als Wasserfall rund 200m in die Tiefe. Es stellte sich heraus, dass Wenworth Falls und die umliegenden Ortschaften auf einem Hochplateau liegen, welches nach Süden durch eine senkrechte Felswand begrenzt ist, bei der das Gelände steil abfällt zu einem rund 700m tiefer liegenden, bewaldeten Tal.

Vor hundert Jahren hatten sich hier  die verschiedenen Dörfer einen regelrechten Wettstreit geliefert: Um möglichst viele Touristen anzulocken, wollte jede Gemeinde den schönsten Rundgang durch diese Felslandschaft haben, also wurden wie wild Wege und Traversen durch das Kliff gehauen. Heute ziehen sich deshalb diverse Wanderwege auf unterschiedlichen Höhen durch den Fels. Wir wählten den «Undercliff Walk» und wanderten so an diversen Lookouts vorbei durch diese wahrlich imposante Szenerie. Beim «Conservation Hut» stärkten wir uns mit einem Glacé und freuten uns über diesen schönen Ausflug ins australische Hinterland. Ein gelungener Abschluss unserer Australien-Reise!