{"id":997,"date":"2017-06-24T12:45:38","date_gmt":"2017-06-24T11:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/?p=997"},"modified":"2017-06-24T12:45:38","modified_gmt":"2017-06-24T11:45:38","slug":"die-tibetische-baustelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/die-tibetische-baustelle\/","title":{"rendered":"\u0f56\u0f7c\u0f51\u0f0b\u0f61\u0f72\u0f42 \u0f42\u0f44\u0f0b\u0f56\u0fb1\u0f74\u0f44\u0f0b\u0f58\u0f44\u0f0b\u0f56\u0fb1\u0f74\u0f44 \u0f42\u0fb2\u0f7c\u0f44\u0f0b\u0f42\u0f66\u0f7a\u0f56 \u2013 Die tibetische Baustelle"},"content":{"rendered":"<p>Kurz nach unserer Abfahrt in Qiautou begann sich die Landschaft zu ver\u00e4ndern: Die H\u00e4nge waren nicht mehr terrassiert und die Vegetation wurde karger. Kein Wunder, schliesslich f\u00fchrte die Strasse st\u00e4ndig bergaufw\u00e4rts und bald waren wir auf 3&#8217;300m\u00fcM angelangt. Trotz der grossen H\u00f6he hatte es immer noch W\u00e4lder und am Horizont erhoben sich majest\u00e4tische Berge. Auf den Wiesen weideten Pferde, Yaks und Schweine. Die verstreuten H\u00e4user hatten nun einen ganz anderen Baustil: Sie waren breit, mit massiven, nach unten dicker werdenden Steinmauern und mit dicken Holzpfeilern, welche die mit Natursteinplatten bedeckten Giebeld\u00e4cher trugen. Vielerorts flatterten lange Reihen von farbigen F\u00e4hnchen im Wind. Ohne Zweifel waren wir nun in Tibet angelangt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1000\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1000\" class=\"size-full wp-image-1000\" src=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La2.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La2.jpg 900w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La2-300x175.jpg 300w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La2-768x448.jpg 768w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La2-600x350.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-1000\" class=\"wp-caption-text\">Tibetische Landschaft<\/p><\/div>\n<p>Bald \u00f6ffnete sich das Tal und in der breiten Hochebene vor uns lag <strong>Shangri-La<\/strong>. Urspr\u00fcnglich hatte die Stadt Zhongdian geheissen, doch um mehr Touristen anzuziehen, war sie 2001 umbenannt worden, nach der paradiesischen Stadt aus dem Buch \u00abLost Horizon\u00bb von James Hilton.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u00abGo West\u00bb hatte die chinesische Regierung vor ein paar Jahren die bessere Erschliessung von Chinas Westen beschlossen (sicher auch mit der Absicht, so den Einfluss auf Tibet zu erh\u00f6hen). Diese Modernisierung ist in Shangri-La zur Zeit in vollem Gang: In der Stadt, die erst 1970 erstmals von einem Auto erreicht wurde, wird zur Zeit eine 8-spurige Umfahrungsstrasse durch die Ebene gebaut. Gleichzeitig werden die beiden Innenstadt-Ringe erneuert, entsprechend gross ist das Verkehrschaos. Mangels alternativen Routen werden die Abschrankungen von den Fahrzeugen einfach ignoriert und so holpern die Autos zwischen Baggern, Lastwagen und L\u00f6chern mitten durch die Baustellen. Erst im alten Stadtzentrum entflieht man diesem Chaos. Doch auch hier ist vieles unfertig: Im Januar 2014 waren zwei Drittel der Altstadt einem verheerenden Grossbrand zum Opfer gefallen. Zwar ist inzwischen das meiste wieder aufgebaut worden, aber die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Zum Gl\u00fcck wurden die Holzh\u00e4user wieder im gleichen Stil erstellt, denn die tibetischen H\u00e4userfronten mit ihren unz\u00e4hligen feinen Holzschnitzereien sind eindr\u00fccklich sch\u00f6n. Durch den Brand und den anschliessenden Einbruch beim Tourismus hatten aber viele Familien ihre Lebensgrundlage verloren und daraufhin die Stadt verlassen. So stehen heute viele Geb\u00e4ude leer, L\u00e4den sind geschlossen oder haben Schlussverkauf. Eine ziemlich ironische Situation: Einerseits wird massiv in die Infrastruktur von Shangri-La investiert, andererseits wandern die Bewohner ab. B\u00f6se, wer dahinter eine Strategie der Regierung zur \u00abHan-isierung\u00bb der Stadt vermutet.<\/p>\n<div id=\"attachment_1001\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1001\" class=\"size-full wp-image-1001\" src=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La3.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La3.jpg 900w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La3-300x175.jpg 300w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La3-768x448.jpg 768w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La3-600x350.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-1001\" class=\"wp-caption-text\">Die neue Altstadt von Shangri-La<\/p><\/div>\n<p>In Shangri-La erhielten wir einen guten Einblick in die tibetische Kultur. Wir assen einen feinen Hot Pot mit viel Yak-Fleisch, probierten den hier ber\u00fchmten Yak-Butter-Tee (gruuusig!) und am zweiten Abend kriegten wir ein \u00abtibetisches\u00bb Yak-Steak, das aber ausschliesslich f\u00fcr die westlichen Touristen zubereitet wird. Nach zwei Monaten mit St\u00e4bchen essen war es richtig ungewohnt, mit dem Messer ein grosses St\u00fcck Fleisch zerteilen zu m\u00fcssen. Aber fein war&#8217;s! Und zu trinken gab\u2019s nat\u00fcrlich <strong>Shangri-La Beer<\/strong>, welches hier in der Stadt in der ersten Kleinbrauerei Chinas hergestellt wird. Gegr\u00fcndet wurde die Brauerei 2009 von Songtsen Gyalzur, einem in der Schweiz aufgewachsenen Tibeter, der nach Shangri-La ausgewandert war. F\u00fcr den Aufbau der Brauerei holte er Schweizer Hilfe und daraus entwickelte sich schliesslich eine St\u00e4dtepartnerschaft: Deshalb prangt nun auf jeder \u00abBlack Yak\u00bb-, \u00abTibetan Pale Ale\u00bb- oder \u00abSuper Nova\u00bb-Flasche dezent ein \u00abArosa\u00bb-Logo.<\/p>\n<div id=\"attachment_1002\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1002\" class=\"size-full wp-image-1002\" src=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La4.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La4.jpg 900w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La4-300x175.jpg 300w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La4-768x448.jpg 768w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La4-600x350.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-1002\" class=\"wp-caption-text\">Tempel und Gebetsm\u00fchle auf dem Schildkr\u00f6tenh\u00fcgel<\/p><\/div>\n<p>Neben der Altstadt und den Tempeln auf dem Schildkr\u00f6tenh\u00fcgel besichtigten wir auch das 300 Jahre alte Kloster <strong>Ganden Sumtseling Gompa<\/strong>. Es ist das gr\u00f6sste tibetisch-buddhistische Kloster in Yunnan und thront majest\u00e4tisch auf einem kleinen H\u00fcgel am Rand der Stadt. Auf der langen Treppe zum Kloster waren wir ganz sch\u00f6n ins Schnaufen gekommen: die d\u00fcnne H\u00f6henluft hatte sich rasch bemerkbar gemacht. Unter kundiger Anleitung unseres Guide besichtigten wir dann den Haupttempel und die verschiedenen Gebets- bzw. Lesehallen. Buddhisten spenden ihren verschiedenen G\u00f6ttern Geld und Naturalspenden, und zwar auf f\u00fcr uns ungewohnte Art: Vor jeder Statue liegen Fr\u00fcchte und mit Reis gef\u00fcllte Schalen, stehen thail\u00e4ndische Red-Bull-B\u00fcchsen und Schnapsflaschen. \u00dcberall liegen Geldscheine herum, sogar in den Ritzen an den W\u00e4nden stecken M\u00fcnzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1003\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1003\" class=\"size-full wp-image-1003\" src=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La5.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La5.jpg 900w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La5-300x175.jpg 300w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La5-768x448.jpg 768w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La5-600x350.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-1003\" class=\"wp-caption-text\">Hochzeitsfotos mit AAAAA-Kulisse<\/p><\/div>\n<p>Am Nachmittag machten wir dann noch eine \u00abkurze\u00bb Velotour an den nahen <strong>Napa-See<\/strong>. Dieser liegt 10km neben der Stadt in einer weiten Ebene, wo Pferde grasen, Tagesausfl\u00fcgler sich vor ihren Jurten fl\u00e4zen und Hochzeitspaare f\u00fcr Fotos posieren. Der Ausflug w\u00e4re ganz idyllisch gewesen, h\u00e4tten wir auf dem Hinweg nicht ein Paradebeispiel vom chinesischen \u00abdas Gesicht wahren\u00bb erlebt. Unser Guide hatte sich n\u00e4mlich verfahren, und anstatt das einfach zuzugeben, versprach er uns alle paar Minuten, dass wir \u00abjetzt dann gleich\u00bb am Ziel seien. Nach fast zwei Stunden Irrfahrt durch die Baustellen der Stadt waren wir zwar auf einer sch\u00f6nen grasigen Ebene angekommen, aber da war weit und breit kein See. Frank erkl\u00e4rte uns im vollen Ernst, dass dieser verschwunden sei; abgelaufen, ausgetrocknet. Vor zwei Jahren sei genau hier noch ein See gewesen. Aus Anstand (und weil ich aufgrund meines Gem\u00fctszustands keine freundlichen Worte gefunden h\u00e4tte) unterliess ich es, ihn auf die leichte Gel\u00e4ndeneigung und die damit verbundene Unm\u00f6glichkeit seiner Aussage hinzuweisen. Nun ja, eine halbe Stunde sp\u00e4ter hatten wir den See dann gefunden: Er lag an der tiefsten Stelle der Ebene\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_1004\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1004\" class=\"size-full wp-image-1004\" src=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La6.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La6.jpg 900w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La6-300x175.jpg 300w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La6-768x448.jpg 768w, https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2017-06-24-Shangri-La6-600x350.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-1004\" class=\"wp-caption-text\">Tats\u00e4chlich, ein See!<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz nach unserer Abfahrt in Qiautou begann sich die Landschaft zu ver\u00e4ndern: Die H\u00e4nge waren nicht mehr terrassiert und die Vegetation wurde karger. 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