{"id":968,"date":"2017-06-19T15:47:49","date_gmt":"2017-06-19T14:47:49","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/?p=968"},"modified":"2017-06-22T15:07:36","modified_gmt":"2017-06-22T14:07:36","slug":"im-wilden-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/im-wilden-westen\/","title":{"rendered":"\u5728\u72c2\u91ce\u7684\u897f\u90e8 \u2013 Im wilden Westen"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag fuhren wir noch einmal mit der Maglev zum Flughafen, diesmal aber nur mit einem Einzelbillet, denn wir liessen Shanghai hinter uns und flogen nach <strong>Kunming<\/strong>, der Provinzhauptstadt von Yunnan. Damit begann der achte und letzte Teil unserer grossen Reise.\u00a0Weil wir erst am Abend ankamen, sahen wir von Kunming ausser der n\u00e4heren Hotelumgebung noch nicht viel. Doch was wir sahen, gefiel uns: Kunming wirkte wieder viel aufger\u00e4umter als Shanghai, es erinnerte uns fast ein wenig an Beijing.<\/p>\n<p>Schon am n\u00e4chsten Morgen wurden wir von unserem Reiseleiter abgeholt und ins Auto verfrachtet. Nun fuhren wir f\u00fcnf Stunden westw\u00e4rts, durchs h\u00fcgelige Yunnan. F\u00fcrs Mittagessen stoppten wir in <strong>Yunnanyi<\/strong>, jenem Ort, der es schon dreimal zu geschichtlicher Erw\u00e4hnung gebracht hatte. Zum ersten hatte der Ort als Namensgeber f\u00fcr die Provinz gedient: Der Legende nach soll ein chinesischer Kaiser einmal eine aussergew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Wolke gesehen haben, worauf er umgehend Reiter losschickte, um deren Ursprungsort aufzusp\u00fcren. Diese fanden das Dorf und tauften es Yun Nan Yi \u2013 Ort der Sch\u00f6nen Wolke im S\u00fcden. Zum zweiten war dieser Ort \u00fcber lange Zeit ein St\u00fctzpunkt auf der Tee- &amp; Pferde-Strasse gewesen. \u00c4hnlich wie die Seidenstrasse hatte diese dazu gedient, Tee, Opium und weitere Waren aus dem nahen Burma, aus Thailand und aus dem s\u00fcdlichen Yunnan nach Tibet, Sichuan und Ostchina zu transportieren. Die Karawansereien in Yunnanyi hatten zu den gr\u00f6ssten geh\u00f6rt, sie hatten Pferdezuchten mit mehreren hundert Pferden betrieben und waren in der Lage gewesen, Essen und Futter f\u00fcr Karawanen mit bis zu tausend Pferden bereitzustellen. Ein drittes Mal hatte der Ort Schlagzeilen gemacht, als er im zweiten Weltkrieg als St\u00fctzpunkt der US-amerikanischen Luftwaffe diente, die von hier aus als \u00abFlying Tigers\u00bb die japanischen Invasoren in Ostchina bek\u00e4mpft hatten.\u00a0Nach einem kurzen Bummel durch die Dorfgasse von Yunnanyi fuhren wir am Nachmittag weiter nach <strong>Weishan<\/strong>, wo wir nach dem Hotelbezug die malerische Altstadt besichtigten. Den Abend beschlossen wir dann in einem lokalen Strassenrestaurant mit Dumplings und gebratenen Nudeln.<\/p>\n<p>Den Samstagmorgen begannen wir mit einer Wanderung auf dem Weishan-Berg. Der dreist\u00fcndige Rundkurs f\u00fchrte an mehr als zwanzig Tempeln vorbei, von denen wir dank unserem enthusiastischen Reisef\u00fchrer eine ganze Menge besichtigten und dabei ein wenig \u00fcber die in China praktizierten Religionen (Taoismus, Buddhismus etc.) erfuhren.\u00a0Zur\u00fcck im Auto fuhren wir eine gute Stunde bis nach <strong>Donglianhua<\/strong>, einem Dorf der muslimischen Hui Minderheit. Hier st\u00e4rkten wir uns erst einmal mit einem feinen Mittagessen im Innenhof eines sch\u00f6nen Holzhauses und anschliessend besichtigten wir die Residenz von Ma Ruji. Auch diese Familie hatte einen Tee-&amp; Pferde-Strassen-St\u00fctzpunkt betrieben, und zwar noch bis in die 1950er Jahre. Erst als Mao an die Macht kam, hatte die Familie ihr Gesch\u00e4ft aufgegeben und war nach Thailand gefl\u00fcchtet. Schon eindr\u00fccklich, dass hier noch vor 65 Jahren Warentransporte auf diese Art stattfanden, bzw. wie schnell der motorisierte Land- und Luftverkehr das Transportwesen in dieser entlegenen Region komplett ver\u00e4ndert hat. Scheinbar verkehrt sogar heute noch eine regelm\u00e4ssige Pferdekarawane, allerdings nur im nach wie vor unwegsamen Grenzgebiet zwischen Burma und China.<\/p>\n<p>Kurz nach Donglianhua waren auch wir wieder in der Moderne angekommen, n\u00e4mlich als wir durch <strong>Dali<\/strong> fuhren, Yunnans zweitgr\u00f6sster Stadt. Auf rund 2&#8217;200m\u00fcM gelegen, hatten wir eine Kleinstadt erwartet, doch Dali hat knapp eine Million Einwohner. Wir hielten aber nicht, sondern fuhren gleich weiter nach Dali. Nein, das war kein Verschreiber, es gibt tats\u00e4chlich zwei Dalis, ein neues und ein altes. W\u00e4hrend die Altstadt streng nach Feng-Shui zwischen Bergen und See erstellt worden war, ging man bei der Neustadt weit pragmatischer vor und setzte sie in die grosse Ebene am Ende des Sees. Zum Gl\u00fcck, denn es w\u00e4re \u00e4usserst schade gewesen, wenn man das alte Dali einfach platt gemacht h\u00e4tte. Davor hatten aber selbst die sonst unzimperlichen Chinesen Respekt, schliesslich war Dali im 10. Jahrhundert mal die Hauptstadt vom Bai-K\u00f6nigreich gewesen. Heute pr\u00e4sentiert sich das alte Dali als touristisch herausgeputzte Altstadt, wo sich Shops, Bars und Restaurants aneinanderreihen. Ziemlich lachen mussten wir, als wir die katholische Kirche von Dali besichtigen gingen, denn ein Haus mit traditionellem chinesischen Giebel und ebensolchem T\u00fcrmchen h\u00e4tten wir definitiv nicht erwartet. Einzig das Kreuz auf der Turmspitze lieferte einen Hinweis auf die Funktion des Hauses.\u00a0Von Dali fuhren wir ins nahe <strong>Xizhou<\/strong> und dort in unser Hotel, welches idyllisch neben Reisfeldern lag. Und ein feines Sichuan-Restaurant war auch nicht weit\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag fuhren wir noch einmal mit der Maglev zum Flughafen, diesmal aber nur mit einem Einzelbillet, denn wir liessen Shanghai hinter uns und flogen nach Kunming, der Provinzhauptstadt von Yunnan. 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