{"id":623,"date":"2017-04-14T06:10:44","date_gmt":"2017-04-14T05:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/?p=623"},"modified":"2017-04-14T06:09:36","modified_gmt":"2017-04-14T05:09:36","slug":"analphabeten-im-hanok","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/analphabeten-im-hanok\/","title":{"rendered":"\ubb38\ub9f9 \ud55c\uc625 \u2013 Analphabeten im Hanok"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seoul<\/strong> ist eine einzige Reiz\u00fcberflutung. Dabei ist hier alles gut organisiert und die Leute sind sehr gesittet, aber es ist halt einfach alles sehr\u2026 nun ja, sehr koreanisch. Nicht, dass wir es anders erwartet h\u00e4tten, aber die Absolutheit unseres Nichtverstehens ist dennoch erstaunlich. Wieviele Informationen man \u00fcber die Schrift aufnimmt, wird einem erst bewusst, wenn man diese einmal nicht versteht. Und das ist ja schlimmer, als wenn man einfach etwas verpassen w\u00fcrde. \u00dcberall grinsen uns\u00a0diese Hangeul-Zeichen an und gr\u00f6len: \u00ab\u00c4tsch, das versteht ihr jetzt halt nicht!\u00bb. Strassenbezeichnungen, Lebensmittel, Ticketautomaten, Stadtpl\u00e4ne, Webseiten, Konsumprodukte, Speisekarten: Alles auf koreanisch, und zwar ausschliesslich.\u00a0Als \u00abUngebildeter\u00bb (=so bezeichnen Koreaner Leute, die kein Koreanisch k\u00f6nnen) hat man keine Chance, man schaltet rasch in den Ausprobiermodus.<\/p>\n<p>Damit jetzt aber kein falscher Eindruck entsteht: Uns gef\u00e4llt dieses Analphabeten-Dasein tierisch. Es ist ja so offensichtlich, dass wir hier fremd sind, wir m\u00fcssen uns weder M\u00fche geben, noch versuchen alles perfekt hinzukriegen. Es kommt einfach wie\u2019s kommt.<\/p>\n<p>Und diese Stadt erstaunt uns jeden Tag von neuem: Nachdem wir sp\u00e4tnachts bei Dunkelheit angekommen waren, entz\u00fcckten uns am anderen Morgen die Berge, die da vor unserer Nase standen: Nie w\u00e4r mir in den Sinn gekommen, dass Seoul h\u00fcgelig sein k\u00f6nnte. Kurz darauf kamen wir an einer Schweizer \u00abL\u00e4derach\u00bb-Filiale vorbei. Bei grossen Strassenkreuzungen haben sie hier richtungsgetrennte Fussg\u00e4ngerstreifen. Die j\u00fcngeren Semester bahnen\u00a0sich\u00a0problemlos ihren Weg durchs Gedr\u00e4nge, ohne auch nur einmal von ihrem H\u00e4ndi aufzuschauen.\u00a0Und unsere koreanische Vermieterin kann akzentfrei \u00abTipp topp\u00bb und \u00abEn Guete\u00bb sagen.<\/p>\n<p>Ach ja: Wohnen tun wir \u00fcbrigens im Stadtteil <strong>Jongno-gu<\/strong>, in einem herzigen \u00abHanok\u00bb, mitten im \u00abSeochon Hanok Dorf\u00bb und unweit des Gyeongbokgung-Palasts. Hanok, so heissen die traditionellen koreanischen Wohnh\u00e4user. Diese kleinen, einst\u00f6ckigen Holzh\u00e4user umfassen einen Innenhof und sind eng aneinandergebaut. Die Zugangsstrassen sind entsprechend schmal und verwinkelt, das ganze Quartier\u00a0ist ein einziges Labyrinth. Unser Haus hat ein Schlafzimmer mit Futon, eine\u00a0kleine B\u00fcroecke, ein Wohnzimmer, eine K\u00fcche und ein Bad, dazu noch einen ungeheizten\u00a0Raum f\u00fcr die Teezeremonie. Die Schiebet\u00fcren sind aus Holz und Papier und fast alle R\u00e4ume haben Zugang zum Innenhof. Wir haben Bodenheizung und superschnelles\u00a0Internet.\u00a0Und in der Nacht ist es so wunderbar still, dass man vergisst, dass man sich mitten in einer 10-Millionen-Stadt befindet.<\/p>\n<p>Alt und neu passen in Seoul gut zueinander, denn kaum einen Kilometer weiter stehen die Wolkenkratzer von Jongno-gu und die Shopping-Pal\u00e4ste von Itaewon, aber davon ein andermal mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seoul ist eine einzige Reiz\u00fcberflutung. Dabei ist hier alles gut organisiert und die Leute sind sehr gesittet, aber es ist halt einfach alles sehr\u2026 nun ja, sehr koreanisch. Nicht, dass wir es anders erwartet h\u00e4tten, aber die Absolutheit unseres Nichtverstehens ist dennoch erstaunlich. 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