{"id":357,"date":"2017-02-12T23:59:17","date_gmt":"2017-02-12T22:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/?p=357"},"modified":"2017-02-14T18:47:19","modified_gmt":"2017-02-14T17:47:19","slug":"torres-del-viento","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankaiser.ch\/talk\/torres-del-viento\/","title":{"rendered":"Torres del Viento"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor Jahren mein letztes aktives Pfadiamt abgab, bekam ich zum Abschied ein Abo vom \u00abLonely Planet\u00bb Reisemagazin geschenkt. In einer dieser Ausgaben war ein grosser Bericht \u00fcber den <strong>Torres del Paine<\/strong> Nationalpark, dessen Bilder sicher mitverantwortlich f\u00fcr die jetzige Reise waren. Im Text stand aber auch, dass es in Patagonien \u00abimmer winde\u00bb. Ich verstand nicht, weshalb das extra betont wurde, schliesslich weht auch in der Schweiz \u00f6fters mal der Wind und wir finden das nicht sehr erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen aber wurde mir die Bedeutung jener Aussage klar und deutlich. Angefangen hatte es schon in El Chalt\u00e9n, mehr dann in El Calafate, und auf dem Weg zum Torres del Paine war es nicht mehr zu ignorieren, n\u00e4mlich: <strong>Hier windet es immer!<\/strong> Und zwar wie wenn jemand dieses ganze s\u00fcdliche Patagonien beim \u00abSauber\u00bb-Rennstall in Hinwil in den Windkanal gestellt h\u00e4tte (kein Wunder, ging denen das Geld aus). Im Hotel pfiff Tag und Nacht der Wind durch die Ritzen und manchmal t\u00f6nte es so, als w\u00fcrde gleich ein Fenster zerspringen. Auf all unseren Spazierg\u00e4ngen und Wanderungen blieben wir mehrmals unfreiwillig stehen, kamen fast vom Weg ab, oder mussten uns an einem Felsen festhalten, weil grad wieder so eine richtige, langanhaltende B\u00f6 \u00fcber uns hinwegfegte. Selbstredend, dass wir meistens Gegenwind hatten und bei jeder B\u00f6 auch eine Handvoll Sand in die Augen flog. W\u00e4hrend\u00a0einer Autofahrt hatten wir einmal so viel R\u00fcckenwind, dass die von den Pneus\u00a0aufgewirbelten Steine ans eigene Heckfenster prasselten.<\/p>\n<p>Okay, es windete also. Aber abgesehen davon ist dieser Nationalpark wirklich sch\u00f6n. Man kann ja nicht jeden Tag haushohe Eisberge am Seeufer bestaunen (Lago Grey) oder einem Schwarm Kondoren beim Kreisen zusehen. Und dann diese imposanten Berge: Die drei \u00abTorres\u00bb-Granitpfeiler und die \u00abCuernos\u00bb sind schon sehenswert, und ich sag das, obwohl wir in der Schweiz ja wahrlich genug Berge haben.\u00a0Unsere Wanderung zur Laguna Torres haben wir zum Gl\u00fcck fr\u00fchzeitig begonnen, denn wir sahen die Bergspitzen gerade noch eine Viertelstunde lang, bevor sie in den Wolken verschwanden. Auf dem R\u00fcckweg erreichten uns dann schon die ersten Regentropfen und zwar waagrecht von hinten, denn \u00fcber uns hatte es gar keine Wolken. Hatte ich den Wind schon erw\u00e4hnt?<\/p>\n<h4>Amigos suizos en Patagonia<\/h4>\n<p>Aber Themenwechsel: Am Abend nach der Wanderung trafen wir n\u00e4mlich Freunde. Wir hatten im Oktober rausgefunden, dass <strong>Dominik und Fr\u00e4nzi<\/strong> per Zufall zur gleichen Zeit die fast gleiche Reiseroute geplant hatten. Aber eben nur fast, denn sie starteten ein paar Tage sp\u00e4ter. Also waren sie uns w\u00e4hrend zwei Wochen st\u00e4ndig auf den Fersen, aber wir waren nie zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Weil\u00a0sie aber l\u00e4ngere Streckenabschnitte fuhren, holten sie auf: in El Calafate kamen sie am gleichen Tag an, an dem wir morgens weitergefahren waren. Und im Torres del Paine sollte es nun endlich klappen. Zwar lag ihre Estancia rund 30km von unserem Hotel weg, also fuhren wir zu ihnen und hatten einen sch\u00f6nen Abend mit feinem Nachtessen (@Dominik: Danke nochmals f\u00fcr die Einladung, wir revanchieren uns dann in ein paar Monaten in der Schweiz!)<\/p>\n<h4>La gasolina<\/h4>\n<p>Bloss, die Estancia war nicht 30 sondern 50km von unserem Hotel weg, somit hatten wir 100 Zusatzkilometer gemacht. Und da es im Nationalpark keine Tankstellen gibt, wird man \u00fcberall gewarnt, dass man vollgetankt reinfahren und stets auf die Tankanzeige schauen sollte. Haben wir auch gemacht, bloss fiel diese Anzeige immer tiefer. Als wir nach unserem Ausflug wieder im Hotel waren, zeigte sie noch etwa 10% an, aber bis zur n\u00e4chsten Tankstelle waren\u2019s 140km. Mir war schon vorher klar, dass es knapp werden w\u00fcrde, also hatte ich bereits auf Dominiks Estancia nach Benzin gefragt (hatten keines) und danach hatten wir versucht, mit Schlauch und Kanister bei Dominiks vollgetanktem Auto Benzin abzuzapfen (ging auch nicht, diese modernen Schlitten haben so einen Diebstahlschutz, da kannst du nicht mehr einfach einen Schlauch reinhalten und saugen).<\/p>\n<p>Also fuhren wir am n\u00e4chsten Morgen mit einem Kribbeln im Bauch los, so schaltaktiv und anst\u00e4ndig wie noch nie, st\u00e4ndig den Blick auf der \u00abMiles per Gallon\u00bb-Anzeige und auf der Benzinuhr. Ich bin sicher, das Ding h\u00e4tte schon bald angefangen zu blinken oder piepsen, h\u00e4tten wir nicht \u00abirgendwo\u00bb noch 10 Liter Gasolina aufgetrieben (ich sag aber nicht wo, denn offiziell d\u00fcrfen sie ja keins verkaufen). Jedenfalls erreichten wir <strong>Puerto Natales<\/strong> ohne schieben, wandern oder st\u00f6ppeln-Kanister-kaufen-und-zur\u00fcck-st\u00f6ppeln. Viel schlimmer, wir erreichten die Tankstelle mit noch knapp 19 Litern im Tank! Diese Tankanzeigen sind so was von auf sicher getrimmt, wir h\u00e4tten die teuer erkauften Zusatzliter gar nicht gebraucht. H\u00e4tten uns die Nervosit\u00e4t und das ganze Tam-Tam sparen k\u00f6nnen, und der Gartenschlauch auf Dominiks Estancia w\u00e4r jetzt auch nicht 2m k\u00fcrzer\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor Jahren mein letztes aktives Pfadiamt abgab, bekam ich zum Abschied ein Abo vom \u00abLonely Planet\u00bb Reisemagazin geschenkt. In einer dieser Ausgaben war ein grosser Bericht \u00fcber den Torres del Paine Nationalpark, dessen Bilder sicher mitverantwortlich f\u00fcr die jetzige Reise waren. Im Text stand aber auch, dass es in Patagonien \u00abimmer winde\u00bb. 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